Aus Oghusen werden Seldschuken
Das letzte Mal haben wir schon angedeutet, dass mit dem Tod ad-Daulas das Reich der Buyiden seinen starken, einigenden Führer verlor. Das endgültige Ende der Buyiden kam dann zwischen 1048 und 1055 durch die Seldschuken. Diese sind uns als Widerpart der Byzantiner schon über den Weg gelaufen, wir erinnern besonders die Schlacht von Manzikert 1071. Nun wollen wir sie uns ein wenig näher ansehen.
Ursprung der Seldschuken waren die Oghusen, eine wohl türkischstämmige Stammeskonföderation, die nach dem Zusammenbruch des Kök-Türken-Reiches Mitte des 8. Jahrhunderts rund um den Aralsee siedelten. In manchen Quellen wird auch der Begriff al-Ghuzz verwendet. Die Begriffsverwirrung aufgrund unterschiedlicher Transkriptionen – heutiger und damaliger – werden wir nicht aufräumen können. Von den Oghusen stammen die Seldschuken und auch die Osmanen ab, die uns später noch beschäftigen werden.
Machtübernahme im Kalifat
Seldschuk (um 1000), der Khan des oghusischen Stammes der Kinik, trat Ende des 10. Jahrhunderts zum Islam über. Seine Söhne Tughrul Beg (um 990 bis 1063, reg. 1016 bis 1063) und Tschaghri Beg (989 bis 1060) konnten Chorasan erobern und die dort herrschenden Ghaznawiden vertreiben. 1055 wurde Bagdad erobert und die Buyiden als Schutzmacht des Kalifen abgelöst. Tughrul Beg wurde vom Kalifen mit dem Titel des Sultans, auf deutsch schlicht »Herrscher«, belohnt. Im Kalifat tauchte er hier das erste Mal auf, der Ghaznawide Mahmud von Ghazni (971 bis 1030, reg. 998 bis 1030) hatte ihn in seinem Herrschaftsgebiet bereits zuvor genutzt. Der Titel manifestiert die Trennung zwischen der geistlichen Machtsphäre des Kalifen und der weltlichen des Sultans.
Alp Arslan
Da Tughrul kinderlos starb, folgte ihm sein Neffe Alp Arslan als Sultan. Dies war sein Beiname (laqab) und bedeutete »mutiger Löwe«. Sein voller Name war Diya ad-Din Adud ad-Daula Abu Schudscha Muhammad Alp Arslan. Wir bleiben natürlich bei Alp Arslan, zumal er diesem Namen auch alle Ehre machte. Es gelang ihm, das zersplitterte islamische Reich zu großen Teilen wieder zusammenführen. Seine Gegner waren nicht allein die christlichen Staaten, allen voran Byzanz, sondern auch Armenien und Georgien. Er wollte auch gegen die schiitischen Fatimiden vorgehen. Dabei kam ihm dann allerdings der neue byzantinische Kaiser Romanos IV. dazwischen, den er in der uns schon bekannten Schlacht von Manzikert 1071 vernichtend schlagen konnte.
Viel Nutzen zog er persönlich nicht mehr aus dem Sieg. Er starb bereits 1072 auf einem Feldzug im Osten. Dort kämpfte er gegen das Reich der Karachniden, einer ebenfalls türkischstämmigen Herrscherdynastie, die östlich des Aralsees im 11. und 12. Jahrhundert ein ausgedehntes Territorium beherrschte. Nachdem er nach mehrtägiger Belagerung eine Burg in der Nähe des Oxus erobert hatte, verurteilte er den Anführer der Verteidiger zum Tode. Der stürzte sich in seiner Verzweiflung mit dem Schwert auf Alp Arslan. Da dieser meinte, mit dem Angreifer alleine fertig werden zu können, lehnte er Hilfe ab, wurde aber doch so schwer verletzt, dass er ein paar Tage später starb. Hochmut kommt vor dem Fall.
Den Oxus, heute Amudarja, kennen wir ja bereits vom Alexanderzug nach Indien. Er war einer der Zuflüsse, der den Aralsee mit Wasser aus dem Himalaya versorgte. Heute versickert er in der Wüste, da ihm auf seinem eigentlich 1415 Kilometer langen Weg zu viel Wasser entnommen wird. Ein Grund dafür, dass auch der Aralsee, bis Anfang der 1960er Jahre noch der viertgrößte Binnensee der Erde, mittlerweile nahezu verschwunden ist. Ein Problem, dass es an vielen Stellen auf der Erde gibt.
Malik Schah macht weiter
Alp Arslan hatte seine Nachfolge bereits 1066, also frühzeitig geregelt, indem er seinen Sohn Malik Schah auf einer Familienversammlung als künftigen Sultan ausrief. Der musste sich trotzdem nach dem Tod seines Vaters erst einmal gegen seinen Onkel Qawurd Beg (um 1040 bis 1073) durchsetzen, was ihm in der Schlacht von Karaj bei Hamadan, dreihundert Kilometer westlich von Teheran, dann auch gelang. Auch im Anschluss blieb er erfolgreich, konnte Antiochia erobern und wie assyrische und persische Herrscher vor ihm, das rituelle Bad im Mittelmeer genießen. Die Fatimiden wurden in Syrien zurückgedrängt. Es lief also alles bestens.
Zerfall des Reiches
Leider hatte Malik Schah bei der Nachfolgeregelung nicht das Geschick seines Vaters. Zwischen seinen Ehefrauen gab es Streit, welcher Sohn nun der nächste Sultan werden solle. Opfer dieser Auseinandersetzungen war Malik Schah selbst. Er wurde 1092 von einer seiner Ehefrauen vergiftet. Auch heute kommen die meisten Täter von Tötungsdelikten ja aus dem familiären Umfeld. Er wird trotzdem im ersten Moment ein wenig überrascht gewesen sein. Den zweiten hat er dann ja nicht mehr erlebt.
Auch wenn Alp Arslan und Malik Schah viele Statthalterposten mit Verwandten besetzt hatten, war dies kein Garant für den Machterhalt. Im Gegenteil, nach dem Tod Malik Schahs fiel das Reich in Folge der Kämpfe um die Nachfolge auseinander.
In Anatolien machten sich die sogenannten Rum-Seldschuken selbständig, eine Entwicklung, die bereits zu Lebzeiten Malik Schahs begonnen hatte. Der Name übernimmt die Bezeichnung des Römischen Reiches, da es sich auf dem von den Byzantinern, die sich selbst ja Rhomäer nannten, eroberten Gebiet in Kleinasien gründete. Wir kennen die Rum-Seldschuken aus den vielfältigen Auseinandersetzungen mit den Byzantinern. Sie bildeten aber auch einen Puffer zwischen Byzanz und dem Kalifat und den anderen muslimischen Reichen wie dem der Fatimiden.
Die Zwistigkeiten zwischen den unterschiedlichen Fraktionen der Seldschuken kamen den Kreuzfahrern des ersten Kreuzzuges zugute, die es sonst bei ihren Eroberungen sicherlich schwerer gehabt hätten.
Der letzte seldschukische Herrscher von Bedeutung war Ahmad Sandschar (1084/1086 bis 1157, reg. 1118 bis 1157), der jüngste Sohne von Malik Schah. Ihm gelang es, nachdem er sich gegen seine zumeist aus der eigenen Familie stammenden Rivalen durchgesetzt hatte, das Reich noch einmal unter seiner Herrschaft zu vereinen.
Die Kara Kitai übernehmen
1141 kam es zur Katastrophe in der Auseinandersetzung mit den Kara Kitai. Dabei handelte es sich um eine Dynastie aus dem Altai-Gebirge, die zum Volk der Kitan gehörte. Als Liao-Dynastie hatten sie zwischen 916 und 1125 in Nordostchina geherrscht, bis sie von den Jurchen vertrieben wurden, den Gründern der Jin-Dynastie. Die Kara Kitai herrschten dann von 1128 bis 1218 in Zentralasien – vom Süden Kasachstans bis nach Xinjiang im Nordwesten Chinas. Von dort aus schauten sie Richtung Westen und trafen dort auf die Seldschuken.
Abbasidische Renaissance unter al-Muqtafi
Damit war der Niedergang der seldschukischen Herrschaft eingeläutet. Auch für die Kara Kitai gab es wenig Zukunft. Die Abbasiden konnten allerdings aufgrund der Schwäche der Seldschuken noch einmal kurz aufatmen. Der Kalif al-Muqtafi (1096 bis 1160, reg. 1136 bis 1160), mittlerweile der 31. Abbaside auf dem Kalifenthron, schafft sich durch den Abzug der Seldschuken aus Bagdad und die Aufstellung eines Heeres aus Arabern und Kurden, also ohne Beteiligung türkischer Soldaten, eine eigene Machtbasis. So war im Irak zwischen Bagdad und Tikrit, etwa 160 Kilometer nordwestlich von Bagdad am Tigris gelegen und manchem noch als Geburtsort von Saddam Hussein (1937 bis 2006, reg. 1979 bis 2003) in Erinnerung, wieder ein abbasidischer Kalif realer Machthaber.
Zwei Versuche des für Westpersien und den Irak zuständigen seldschukischen Sultans Muhammad II. ibn Mahmud (1128 bis 1159, reg. 1153 bis 1159), Bagdad in den Jahren 1154 und 1157 zurückzuerobern scheiterten. Al-Muqtafi agierte diplomatisch sehr geschickt. Er unterstützte den seldschukischen Prinzen Sulaiman Schah (1117 bis 1161, reg. 1159 bis 1160) als Gegensultan und verbündete sich mit Schams ad-Din Eldigüz (gest. 1175, reg. 1136 bis 1175), dem Atabeg genannten Herrscher von Aserbaidschan, der mit einem Angriff auf Persien eine zweite Front eröffnete und Muhammad zum Rückzug zwang. Nach dessen Tod wurde al-Muqtafis Kandidat Sulaiman Schah sogar kurzzeitig als Sultan Herrscher der Seldschuken.
Saladin
In den folgenden Jahren konnten die Kalifen ihre Unabhängigkeit erhalten, in Teilen sogar ausbauen. Mit Saladin, den wir auf dem dritten Kreuzzug schon kennenlernen durften, bekam das Kalifat durch den ägyptischen Herrscher aus dem Haus der Ayyubiden eine starke Unterstützung. Saladin konnte 1174 nach dem Tod Nur ad-Dins, des in Aleppo residierenden Herrschers Syriens, seinen Machtbereich bis nach Damaskus ausdehnen. Als strenger Vertreter der sunnitisch-orthodoxen Schule war Saladin der natürliche Verbündete des Kalifen in Bagdad. Es war im Übrigen Saladins Entscheidung, die Kaaba in Mekka mit einem schwarzen Tuch zu verhüllen und damit der Farbe der Abbasiden eine besondere Ehre zukommen zu lassen.
Zerfall des Kalifats
Mit Beginn des 13. Jahrhunderts wurde aber die Expansion des mongolischen Reiches zunehmend zu einer Bedrohung für alle Herrscher im Mittleren und Nahen Osten. Es gelang nicht, die unterschiedlichen muslimischen Reiche zu einem Bündnis gegen die Mongolen zu vereinen. Ein kurzer Blick auf die Landkarte zeigt uns, dass die Rum-Seldschuken den größten Teil Kleinasiens beherrschten. Das abbasidische Kalifat hatte sich seine Macht im Irak zurückerkämpft. Nördlich und östlich davon herrschten die Choresm-Schahs, ein altiranischer Titel, den sich mehrere Dynastien angeeignet hatten. Seit 1077 waren dies die Anuschteginiden, deren Oberhaupt Anusch-Tegin Ghartschai (gest. 1097, amt. 1077 bis 1097) die Provinz vom seldschukischen Sultan Malik Schah als Statthalter zugesprochen bekommen hatte. Sie hatten in den folgenden Jahren ähnlich wie die Abbasiden die zunehmende Zerstrittenheit und Schwäche der Seldschuken genutzt, und ihre Unabhängigkeit immer weiter ausgebaut. 1194 ermordete der Choresm-Schah Ala ad-Din Tekisch (gest. 1200, reg. 1172 bis 1200) den Sultan Toghril III. (1168/69 bis 1194, reg. 1176 bis 1194) und beendete damit die Herrschaft der Seldschuken. In Ägypten finden wir die Ayyubiden und weiter im Westen bis nach Spanien hinein die Almohaden. Auf der arabischen Halbinsel herrschten die einzelnen Stämme unter der formellen Oberhoheit von Kalif und Sultan. Andere, vor allem an den Küsten von persischem Golf und Rotem Meer, waren zumindest tributpflichtig. Wir schauen uns das alles noch näher an.
Die Mongolen kommen
Zeit dafür finden wir dank Temüdschin, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Dschingis-Khan (um 1155/1162/1167 bis 1227, reg. 1206 bis 1227). Um diesen Herrn werden wir uns später auch noch etwas intensiver kümmern müssen. An dieser Stelle soll uns erst einmal nur interessieren, dass es ihm gelang, die mongolischen Stämme zu einen und ab etwa 1200 immer mehr Völker und Länder zu unterwerfen. Peking fiel 1215, die Kara Kitai waren 1218 an der Reihe. Dschingis Khan schloss einen Freundschaftsvertrag mit dem Choresm-Schah, der jedoch nicht lange hielt. Nach dem Überfall auf eine mongolische Karawane wurde auch Choresmien angegriffen. 1219/1220 war das Land besiegt.
Das Leben des Dschalal ad-Din
Der letzte Choresm-Schah Dschalal ad-Din (1199 bis 1231, reg. 1220 bis 1231) gab jedoch nicht auf. Um nicht zu vergessen, dass wir immer in ziemlich großer Flughöhe unterwegs sind und vieles beiseitelassen müssen, geben wir jetzt mal exemplarisch Dschalal ad-Din etwas Raum. Wir dürfen ihn dabei nicht mit Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (1203 bis 1273) verwechseln, einem berühmten persischen Mystiker und Dichter, der aber in der Regel unter dem Namen Rumi geführt wird.
Dschalal ad-Din gelang es, in Ghazna im heutigen Afghanistan eine neue Armee aufzustellen und 1221 sogar eine Schlacht gegen eine mongolische Heereseinheit zu gewinnen. Dschingis Khan musste sich persönlich kümmern, um den aufmüpfigen Dschalal nach Indien zu treiben, wo er ihn an den Ufern des Indus vernichtend schlagen konnte. Der Schah konnte sein Leben retten, verbrachte die Jahre 1222 und 1223 im indischen Exil, wo er sich viele Freunde machte. Er konnte wieder eine, diesmal erkennbar kleinere, Armee aufstellen und den ein oder anderen indischen Lokalfürsten besiegen. Wie man sich eben so Freunde macht …
Aufgrund seiner Erfahrungen mit Dschingis Khan ging sein Blick mehr nach Westen. Dort hatte sich sein Bruder im persischen Irak ein eigenes Reich aufgebaut. Die Bruderliebe war anscheinend nur mäßig entwickelt, auf jeden Fall zog Dschalal ad-Din Anfang 1224 los und stürzte seinen Bruder. Dann wandte er sich kurz in Richtung Bagdad und bedrohte das Kalifat, nur um dann nach Norden abzudrehen und Aserbaidschan zu erobern. Täbris wurde seine Hauptstadt. Wir sind weit entfernt davon, hier Neurasthenie oder ADHS diagnostizieren zu wollen, müssen aber schon feststellen, dass der gute Dschalal anscheinend von tiefer Unruhe geprägt war. Schon 1225 ging es weiter. Die Georgier wurden vernichtend geschlagen. Bevor er in deren Hauptstadt Tiflis ziehen konnte, musste er noch Aufstände in Aserbaidschan niederschlagen.
So weit lief also alles in seine Richtung, zumal er mit Georgien ein reiches Land erobert hatte, was ihm Kraft für den Kampf gegen die Mongolen geben sollte. Unglücklicherweise folgten aber auf die vielen Siege und Eroberungen nun auch Niederlagen. Er griff 1227 das damals ayyubidische Ahlat in der heutigen Osttürkei an und holte sich eine blutige Nase. Dann musste er schnell nach Tiflis zurück, um einen georgischen Aufstand abzuwehren, was allerdings nicht vollständig gelang. Im folgenden Jahr setzten ihm dann wieder die Mongolen zu. Seine Versuche, seine Widerstandskraft durch eine Allianz mit dem Kalifen in Bagdad und lustigerweise auch mit dem von ihm gerade angegriffenen Ahlat zu stärken, schlugen fehl. Man paktierte lieber mit den christlichen Georgiern als mit dem kriegerischen Glaubensbruder. Dennoch konnte sich Dschalal ad-Din 1229 erneut gegen die Georgier durchsetzen. Danach zog er weiter, wiederum gegen Ahlat. 1230 konnte er die Stadt im dritten Anlauf erobern, musste sich danach aber im gleichen Jahr der Koalition von Ayyubiden und Rum-Seldschuken geschlagen geben.
Nun wurden auch die Mongolen aktiv und begannen im Winter 1230/1231 seine Gebiete in Aserbaidschan zu erobern. Am 17. August 1231 wurde er endgültig besiegt und auf der Flucht in einem kurdischen Dorf ermordet. Ein bewegtes Leben war erloschen, viele werden aufgeatmet haben. Seine Truppen blieben aktiv, plünderten in Syrien und wurden vom ayyubidischen Herrscher in Ägypten als Söldner eingesetzt. So halfen sie im Jahr 1244, Jerusalem von den Kreuzfahrern zurückzuerobern. Ganz vergessen ist er bis heute nicht. Im usbekischen Urgench wurde 1999 sein 800. Geburtstag gefeiert und 2015 eine Reiterstatue errichtet.
Mongolische Eroberungen
Auch nach dem Tod Dschingis Khans lief die mongolische Eroberungswelle weiter. Sie erreichte schnell Europa. 1241 gab es zwei herbe Niederlagen für die Ritterheere bei Liegnitz in Schlesien und Muhi in Ungarn.
In Bagdad kam es 1258 zum Konflikt zwischen dem Kalifen al-Mustasim (1212 bis 1258, reg. 1242 bis 1258) und Herrn Hülegü (1217 bis 1265), einem Enkel Dschingis Kahns und einer der Heerführer eines mongolischen Teil-Reiches, des sogenannten Il-Khanats. Hülegü hatte geschrieben und die Unterwerfung des Kalifen gefordert – mit dem dezenten Hinweis auf die bisherigen mongolischen Eroberungen, die für die bisherigen Machthaber, so diese sich gewehrt hatten, ziemlich desaströs verlaufen waren. Auch die Assassinen, eine radikal-schiitische Gruppe, die sich auf die Ausführung von Selbstmordattentaten spezialisiert hatten, hatte er im Dezember 1256 aus ihrer nordiranischen Burg vertreiben und besiegen können. Al-Mustasim sah es als unter seiner Würde an, als 55. Kalif seit dem Tode Mohammeds diesem ungehobelten Reiter aus der asiatischen Steppe auch nur zu antworten. Hülegü verstand und machte kurzen Prozess. Bagdad wurde erobert, der Kalif in einen Teppich gewickelt und zu Tode getrampelt. Das Blut hochgestellter Persönlichkeiten durfte nicht vergossen werden, so griff man zu dieser Methode, die uns bei den vielen Morden an Herrschern, die wir schon erleben mussten, auch noch nicht untergekommen ist.
Das Abbasiden-Kalifat in Bagdad war nach 37 Kalifen und fünfhundert Jahren Geschichte. Wir wissen aber, dass es lange Zeit schon keine wirkliche weltliche Macht mehr hatte ausüben können. Interne Machtkämpfe nach dem Tod des Großkhans Möngke (1209 bis 1259, reg. 1251 bis 1259), ebenfalls eines Enkels von Dschingis Khan, veranlassten Hülegü, wieder nach Osten zu ziehen, um seinen Einfluss bei der Ernennung eines Nachfolgers geltend zu machen. Er ließ seinen Heerführer Kitbukha (1184 bis 1260), einen Christen vom zentralasiatischen Stamm der Naiman, mit einem Heer zurück. Zu dessen Größe gibt es Angaben zwischen 10.000 und 70.000 Mann. Wir können nicht mehr nachzählen. Für eine eher kleinere Zahl spricht, dass diese Truppen am 3. September 1260 bei Ain Dschalut, dem heutigen En Harod in Israel, südlich des Sees Genezareth, von den zahlenmäßig überlegenen Mamluken unter Sultan Saif ad-Din Qutuz (1221 bis 1260, reg. 1259 bis 1260) geschlagen wurden. Sie mussten sich hinter den Euphrat zurückziehen, der so zum Grenzfluss zwischen dem mongolischen Il-Khanat, wie es sich nun nannte, und dem islamischen Reich der Mamluken wurde.
Wenn wir uns an das Ende der Umayyaden erinnern, dann fällt uns Abd ar-Rahman I. ein, der nach seiner Flucht in Spanien ein neues Reich errichtete. Ähnlich ging es mit den Abbasiden weiter. Al-Mustansir II. (um 1210 bis 1261, reg. 1261), ein Cousin des letzten Kalifen, gelang die Flucht. Im Sommer 1261 erreichte er Ägypten, wo gerade der Mamlukensultan Baibars I. herrschte. Der hatte den Sieger von Ain Dschalut Saif ad-Din Qutuz nach dessen Rückkehr nach Kairo ermorden lassen und sich selbst auf den Thron gesetzt. Auf Ägypten blicken wir dann das nächste Mal genauer.
Bildnachweise:
Vorschaubild:
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Motiv: Jalal al-Din Khwarazmshah konfrontiert Dschingis Khan am Indus
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Werk: Rashid al-Din, Jami' al-tawarikh (Universalgeschichte)
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Herkunft: Manuskript von 1529, Russische Nationalbibliothek, St. Petersburg, MS. Dorn 289, fols. 125v–126r
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Quelle: Wikimedia Commons
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Lizenz: Gemeinfrei (Public Domain) aufgrund des Alters
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Bearbeitung: Keine (Originalzustand)
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Abrufdatum: 09.03.2026


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