EINE WELTGESCHICHTE

VOM URKNALL BIS MORGEN


Auf unserer Reise durch die Weltgeschichte haben wir mit dem Urknall begonnen, staunend die Entstehung des Lebens und die Entwicklung des Menschen beobachtet und sind über Mesopotamien und Ägypten in die Zeit der historischen Geschichtserzählung eingestiegen. Nachdem wir uns mit der griechischen Antike beschäftigt haben und mit Alexander bis nach Indien gezogen sind, sind wir jetzt im Römischen Reich unterwegs.

Auf der Seite "Warum? Wie ? Was?" kannst Du sehen, was die nächsten Kapitel sein werden.

 

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Die Folgen bauen aufeinander auf. Neueinsteiger im Zweifel also auch gerne mal in die Vorfolgen zurückblättern.


Der Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft ist eine Illusion, wenn auch eine sehr hartnäckige.

Albert Einstein


Die aktuelle Folge

(81) Das Ende der Caesarmörder

Die Caesarmörder im Osten

Marcus Brutus und Cassius hatten bereits im Sommer 44 v. Chr. die Stadt verlassen. Brutus ging erst nach Kampanien, Ende August dann nach Athen. Cassius zog es nach Syrien, wo er eigentlich hätte Statthalter werden sollen. Beiden war klar, dass es zu einer entscheidenden Auseinandersetzung mit Antonius bzw. Octavian, die beide das Erbe Caesars beanspruchten, kommen musste. Insofern waren ihnen die "Aufträge" des Senats, Getreide zu beschaffen, eher mal egal.

 

Dolabella scheitert

In Syrien war mittlerweile Publius Cornelius Dolabella (70/69 bis 43 v. Chr., amt. 44 v. Chr.) Statthalter geworden, der Schwiegersohn Ciceros. Er war als Nachfolger Caesars für das Konsulat während des geplanten Partherfeldzugs vorgesehen gewesen. Dolabella war ein wankelmütiger Charakter, der mal zu den Caesarmördern, mal zu Antonius neigte. Auf seinem Weg nach Asien konnte Brutus ihm die Reiterei abspenstig machen, die er für den absehbaren Kampf gegen Antonius gut gebrauchen konnte. Wir wissen nicht, wie nachtragend Dolabella war, nach diesem Ereignis wundern wir uns aber nicht, dass er danach Brutus, Cassius und ihren Freunden gegenüber eher kritisch eingestellt war. 

 

Prokonsul der kleinasiatischen Provinz Asia war einer der Mörder Caesars, Gaius Trebonius (um 90 bis 43 v. Chr., amt. 45 v. Chr.). Er zeigte sich Dolabella gegenüber zunächst grundsätzlich freundlich, verweigerte ihm dann aber den Einzug nach Smyrna. Dolabella verstand wenig Spaß und nahm die Stadt im Handstreich. Trebonius lag noch im Bett, als er geköpft wurde.

 

Der Mord nützte Dolabella wenig. Trotz der Unterstützung durch viele Städte Kleinasiens konnte er neben seiner eigenen lediglich eine weitere Legion aufstellen. Cassius hatte in Syrien bereits acht. Dolabella wandte sich an Kleopatra, sie möge ihm doch bitte die vier in Ägypten stationierten Legionen schickten. Sein Legat Aulus Allenius (gest. nach 43 v. Chr.) sollte sie abholen, was ihm erst einmal auch gelang. Unglücklicherweise, aus Dolabellas Sicht, fielen diese in Palästina Cassius in die Hände, der somit nun über zwölf Legionen verfügte. Trotz dieser 6:1-Übermacht machte sich Dolabella auf den Weg nach Syrien, wurde allerdings in dem auf einer Halbinsel liegenden Laodikeia, das heutige Latakia in Nordsyrien, eingeschlossen. Cassius gelang es, die anfänglich funktionierende Versorgung über das Mittelmeer zu unterbinden, auch weil Serapion (gest. 41 v. Chr.), der Stratege aus Zypern, entgegen dem Willen seiner Herrin Kleopatra ihn dabei unterstützte. Es war für ihn keine gute Wahl, die Pharaonin ließ ihn später deshalb töten. Ende Juli 43 v. Chr. sah Dolabella ein, dass er verloren hatte, und ließ sich durch einen Soldaten töten.  Bei aller Wankelmütigkeit war er am Ende doch konsequent – allerdings in einem Maße, das wir heute kaum noch verstehen können.

 

Wir sehen, dass die Mörder Caesars zwar keinen Plan hatten, was sie nach dem Ausschalten des Diktators mit der res publica vorhatten, sie aber als Machtfaktor durchaus noch sehr präsent waren. Dies gilt nicht nur für Cassius und den unglücklichen Trebonius, sondern natürlich auch für Brutus. Er war vom Senat - sicherlich unter dem Einfluss Ciceros - als Prokonsul für Makedonien, Achäa und Illyrien eingesetzt worden - bei den Ernennungen und Abberufungen ging es in dieser Zeit fröhlich hin und her - und nutzte seine Macht, um die griechischen Städte zu zwingen, seine Aufrüstung zu finanzieren. Aus dem reichen Thrakien kam willkommene Unterstützung.

 

Gründung des zweiten Triumvirats

Für die Caesarianer Antonius und Octavian wurde es jetzt langsam Zeit, sich um diese wachsende Gefahr im Osten zu kümmern. Sie trafen sich im November 43 v. Chr. in Norditalien nahe Bologna und gründeten gemeinsam mit Lepidus ein Zweckbündnis. Sie mochten sich zwar nicht, trauten sich gegenseitig auch keine drei Finger breit, aber sie brauchten sich für den nächsten Schritt. Beide waren, wenn wir es mal positiv formulieren wollen, pragmatische Realpolitiker, was sie in den vergangenen Monaten durch ihr Lavieren und die abrupten Frontenwechsel auch hinreichend bewiesen hatten. Octavian heiratete zur Befestigung des Bündnisses Claudia, die Stieftochter des Antonius. Diese war zu diesem Zeitpunkt gerade mal zwölf Jahre alt, allerdings damit offiziell heiratsfähig. Zwei Jahre später löste Octavian die Ehe auf, wobei er beeidete, dass sie noch Jungfrau sei. Wir glauben ihm.

 

Die drei hatten alle militärische Macht in Italien und in den westlichen Provinzen hinter sich, so dass es eher eine Formsache war, dass die Volksversammlung ihnen am 27. November 43 v. Chr. für fünf Jahre diktatorische Machtbefugnisse zubilligte. Gemeinsames Ziel der drei war die Ausschaltung der Mörder Caesars. Für einen solchen Feldzug war hinreichend Geld eine zwingende Voraussetzung. An der Ecke haperte es ein wenig. Aber, uns überrascht es wenig, aus der Geschichte kann man lernen: Die Zeit Sullas war noch nicht lange her, die Triumvirn erinnerten sich seiner Proskriptionen und fingen an, Listen zu schreiben. Insgesamt traf es dreihundert Senatoren, darunter Cicero, und zweitausend Ritter. Einige schafften es, zu fliehen, die einen nach Osten zu Brutus und Cassius, die anderen zu Sextus Pompeius. Der finanzielle Ertrag ließ zwar zu wünschen übrig, aber die drei konnten zumindest ihre Anhänger in die freigewordenen Positionen bringen. Die Fraktion der Republikaner in Rom war entscheidend geschwächt.

 

Sextus Pompeius in Sizilien

Erinnerst Du Dich noch an Sextus, den Sohn den Gnaeus Pompeius? Wir hatten ihn vor einiger Zeit nach der Niederlage seiner Truppen gegen Caesar in Spanien zurückgelassen. Es war ihm gelungen, das südliche Spanien zu unterwerfen. Aus der Auseinandersetzung zwischen den römischen Parteien hielt er sich erst einmal heraus, forderte aber schriftlich die Rückgabe des väterlichen Erbes. Antonius ging darauf ein, Sextus Pompeius erhielt 700 Millionen Sesterzen – wohl mit ein Grund für die finanziell klamme Situation, die durch die Proskriptionen gelöst werden sollte – und durfte sich wieder frei bewegen. Auch Cicero versuchte, ihn auf seine Seite zu ziehen, aber Antonius hatte die besseren Karten bzw. Münzen. Bei dieser Summe sind schon andere schwach geworden. Er sorgte sogar für die Ernennung Sextus‘ zum Flottenpräfekten.

 

Die Freundschaft hielt aber nicht lange. Kaum war das Triumvirat gegründet, fand sich der Name Sextus Pompeius auf den Proskriptionslisten. Hier mag Octavian der Treiber gewesen sein, der sich an die alte Feindschaft der Väter erinnert hatte. Sextus hatte jedoch mit der Flotte ein Pfund in der Hand, dass er zu nutzen wusste. Er nahm flüchtige Proskribierte auf, auch Piraten und entlaufene Sklaven und nicht zuletzt Überläufer aus den Legionen der Triumvirn. So wuchs sein Einflussbereich insbesondere im Tyrrhenischen Meer zwischen Sizilien, Sardinien und dem italienischen Festland.

 

Immer nur auf See zu sein, fand er dann aber auch blöd und sah sich nach einem festen Stützpunkt um. Seine Wahl fiel auf Sizilien, dass er in der Tat bis zum März 42 v. Chr. erobern konnte. Der dortige Statthalter Aulus Pompeius Bithynicus (gest. um 42 v. Chr.) hatte in der Hoffnung auf eine Doppelherrschaft erst mitgemacht, musste dann aber feststellen, dass dies nicht so funktionierte, wie er sich das vorgestellt hatte. Zeit zu trauern hatte er nicht. Da war Sextus Pompeius dann konsequent. An Land stellte dieser ein Heer auf, mit der Flotte unterbrach er die Getreidelieferungen nach Rom, was dort eine Hungersnot auslöste. Eine im Sommer 42 v. Chr. geschickte Flotte unter dem Kommando von Quintus Salvidienus Rufus Salvius (gest. 40 v. Chr.), eines engen Freundes Octavians, konnte er leicht zurückschlagen. Immerhin verhinderte diese jedoch seinen Übergriff auf Süditalien.

 

Schlacht von Philippi

Es passierte viel in diesen Jahren. Wir können die Geschichte von Sextus Pompeius jetzt nicht zu Ende erzählen, das verschieben wir auf das nächste Mal. Jetzt müssen erst einmal unbedingt nachschauen, was mit Brutus und Cassius geschah. Ähnlich ging es den Triumvirn, die dringend nach Griechenland übersetzen wollten, um sich endlich um die Caesarmörder zu kümmern. Sie schafften es trotz einer von Sextus Pompeius versuchten Seeblockade und machten sich auf den Weg nach Makedonien, wohin Brutus und Cassius mit ihren Legionen auch unterwegs waren. Man traf sich bei Philippi im Osten Makedoniens, nahe der thrakischen Grenze, heute auf etwa halber Strecke zwischen Saloniki und der griechisch-türkischen Grenze gelegen.

 

Die Ausgangslage war für Cassius und Brutus eigentlich deutlich besser. Die Truppenstärke beider Heere war etwa gleich, die Versorgungslage für die Triumvirn jedoch deutlich schwieriger, da die Nachschubwege über See durch die Flotte der Caesarmörder blockiert waren. Zudem wurde es Herbst, was die Lage für das Expeditionsheer von Antonius und Octavian zusätzlich erschwerte.

 

Octavian war krank. Der Oberbefehl lag also notwendigerweise bei Antonius, dem am 3. oder 23. Oktober 42 v. Chr. ein Angriff auf das Lager von Cassius gelang. Auf der anderen Seite gelang Brutus einer auf das Lager Octavians, so dass es eigentlich 1:1 stand. Leider bekam Cassius von dem Erfolg seines Partners nichts mit. Er sah nur seine Niederlage und beging, ahnend, welches Schicksal ihm dräute, Selbstmord. Wenn er gewusst hätte, dass es nicht 0:1, sondern eigentlich 2:1 für seine Seite stand, weil es auch gelungen war, eine Flotte mit zwei zusätzlichen Legionen für das Heer der Triumvirn vollständig zu vernichten, hätte er es sich sicher anders überlegt.

 

So kam es am 16. November (oder am 23. Oktober) zu einer erneuten Schlacht, insbesondere weil es Brutus nicht gelang, seine Offiziere, Soldaten und Verbündete davon zu überzeugen, dass gerade im Winter die Zeit eindeutig gegen Antonius und Octavian spielte. Letzterer hatte sich im Übrigen aufgrund seiner Krankheit und auch nach seiner Genesung nicht sonderlich auszeichnen können. Im Gegenteil, es wird berichtet, dass er nach der Schlacht, die auf seiner Seite ja verloren wurde, für drei Tage unauffindbar gewesen sei. Wir wissen es nicht, vielleicht war ihm einfach auch nur unwohl. Auf jeden Fall war er bei der zweiten Schlacht erfolgreicher.

 

Brutus griff wieder sein Lager an, wurde jedoch zurückgeschlagen. Octavian gelang es, die Eingangstore zum Lager des Caesarmörders zu besetzen, so dass den zurückweichenden Truppen dieser Weg verschlossen war. Antonius griff nun die nach allen Seiten Flüchtenden an, der Sieg war perfekt. Brutus schaffte es zwar, sich mit immerhin vier Legionen auf einen Berg zu retten. Nachdem er seine Offiziere aber nicht dazu bringen konnte, das verlorene Lager zurückzuerobern, ließ er sich töten. Im Nachgang zur Schlacht zeigte sich Antonius gegenüber den Verlierern deutlich milder als Octavian, was diesen bei den Soldaten beider Seiten viele Sympathien kostete.

 

Durchatmen nach dem Sieg

Nach Philippi war die Lage im Römischen Reich relativ aufgeräumt. Die Caesarmörder waren geschlagen. Nicht nur ihre Idee, die Republik neu zu beleben, war gescheitert, auch sie selbst. Das schnelle persönliche Aufgeben von beiden mag durchaus ein Zeichen sein, dass ihnen klar war, dass sie selbst bei einem Sieg über Antonius und Octavian noch lange nicht das Ruder des Staatsschiffes hätten herumreissen können. In den letzten 90 Jahren, seitdem Tiberius Gracchus begonnen hatte, die Verfassung nicht mehr als sakrosankt zu betrachten, war zu viel geschehen.

 

Lediglich Sextus Pompeius war noch ein Störfaktor. Und natürlich war klar, dass es zwischen Octavian und Antonius irgendwann krachen würde. Erst einmal setzten sie sich aber zusammen und versuchten, eine Regelung zu finden, die ihnen allen hinreichend Nutzen und Bewegungsfreiheit bringen würde. Lepidus hatte die schlechtesten Karten, er bekam die Provinz Africa zugesprochen, musste dafür allerdings auf Gallien und Spanien verzichten. Antonius war auf dem Höhepunkt seiner Macht, der Erfolg von Philippi war zum allergrößten Teil sein Verdienst. Insofern konnte er es sich die größten Kuchenstücke sichern. Gallien war das eine, wobei die in Italien liegende Provinz Gallia cisalpina jetzt dem italienischen Kernland zugeordnet wurde. Der Osten, also Griechenland, Kleinasien, Phönizien war das andere Kuchenstück, dass Antonius auf seinen Teller legte. Dorthin zog er auch, um für Ordnung und Geld zu sorgen.

 

Für Octavian blieb Spanien. Zudem sollte er sich allerdings um die Versorgung der Veteranen kümmern. Eine lukrative Aufgabe, um sich die Loyalität der Soldaten zu sichern. Eine schwierige Aufgabe, wenn das zu verteilende Land knapp war. Auch hier zeigte Octavian seine Kompromisslosigkeit, ja Brutalität. Vertreibungen und Enteignungen der bisherigen Besitzer brachten das Land, das er dann den Legionären zuweisen konnte. 18 Städte wurden so entvölkert, um 50.000 bis 60.000 Soldaten zu versorgen. Erinnere Dich daran, wenn Du mal wieder was vom augusteischen Zeitalter des Friedens oder der Pax Romana hören solltest. Es ging nicht so friedlich los und schaffte Octavian auch viele Feinde.

 

Die Zwistigkeiten nehmen zu

Dazu gehörten an vorderster Front Antonius‘ Ehefrau Fulvia (zwischen 84 und 73 bis 40 v. Chr.) und sein Bruder Lucius Antonius (um 78 bis etwa 40 v. Chr., amt. 41 v. Chr.), der gerade Konsul war. Insbesondere diese beiden versuchten, die Stimmung, die durch die protestierenden enteigneten Landbesitzer aufgeheizt war, für ihre, d. h. für Antonius‘ Interessen zu nutzen. Sie forderten Octavian auf, mit den Zuteilungen zu warten, bis Antonius zurückgekehrt sei, sie erzählten, dass es noch genügend Land aus den Proskriptionen gebe und insbesondere Lucius forderte, dass der Prozess verfassungsgemäß durch die Konsuln und nicht durch die Triumvirn zu erfolgen habe. Damit stellte er sich formal auch gegen seinen Bruder, auch wenn er erst einmal nur Octavian das Leben schwer machen wollte.

 

Auf der anderen Seite standen die Veteranen, die natürlich auf die Landzuweisungen pochten. Octavian saß zwischen den Stühlen, jeden Schritt, den er auf seine Kritiker zuging, indem er beispielsweise die Güter von Senatoren, die Mitgift von Frauen oder sehr kleine Parzellen verschonte, erzürnte die Soldaten. Und um die ging es letztlich beiden Seiten. Die Macht beruhte auf Legionen. Wer keine hatte, hatte schnell verloren. Octavian wurden die beiden Legionen vorenthalten, die er nach der Absprache im Triumvirat hätte bekommen sollen, andere sechs sollten nach Spanien verlegt werden, das ja Octavian zugesprochen worden war. Ihnen wurde wiederum der Zug dorthin via das antonianische Gallien durch Sperrung der Alpenpässe verweigert. Schlichtungsbemühungen der Legionen selbst, Offiziere und Soldaten hatten wenig Lust, gegeneinander zu kämpfen, schlugen letztlich fehl. Sie machten aber deutlich, dass die Verfügungsmacht von Octavian, Lepidus, der sich mittlerweile auf dessen Seite geschlagen hatte, und Antonius begrenzt war. Gegen die Überzeugung ihrer Soldaten konnten sie keinen Bürgerkrieg befehlen. Octavian arbeitete an dieser Sachlage, indem er seine soldatenfreundliche Haltung verdeutlichte.

 

Kleopatra und Antonius 

Insgesamt standen den Antonianern aber deutlich mehr Truppen zur Verfügung, auch wenn ihr Anführer weiterhin im Osten unterwegs war. Dort zog der bildlich gesprochen über die Dörfer, belohnte Städte und Staaten, die sich gegen Cassius gewehrt hatten, trieb Gelder ein und mischte sich in die dynastischen Nachfolgeregelungen von Klientelstaaten wie Galatien ein. Im Sommer 41 v. Chr. lud er Kleopatra nach Tarsos in Kilikien ein – oder lud sie vor, wie auch immer Du es interpretieren magst. Ihr gelang es, ihn durch eine prachtvolle Inszenierung ihrer Ankunft zu becircen.

 

Zumindest bei Kleopatra wurde Antonius nun doch der Nachfolger Caesars. Und so wie Caesar ihr gegen ihren Bruder Ptolemäus XIII. geholfen hatte, durfte sich nun Antonius um ihre Schwester Arsinoe IV. (zwischen 68 und 63 bis 41 v. Chr., reg. 48 bis 47 v. Chr.) kümmern. Diese hatte im Alexandrinischen Krieg auf Seiten von Ptolemäus gekämpft und war nach dessen Tod auch als Gegenkönigin aufgetreten. Nun lebte sie in Ephesos im Exil. Antonius ließ sie hinrichten, Kleopatra hatte eine Gegnerin weniger und Antonius an ihrer Seite. Nachdem dieser noch in Syrien etwas aufgeräumt und partherfreundliche Herrscher abgesetzt hatte, zog er nach Ägypten, wobei er im Vorbeigehen unter anderem noch Herodes (73 bis 4 v. Chr., reg. 37 bis 4. v. Chr.) und dessen Bruder Phasael (um 77 bis 40 v. Chr.) zu Tetrarchen in Judäa ernannte, obwohl sie in dem dort gerade herrschenden Bürgerkrieg noch nicht über wirkliche Macht verfügten. Dann ging es endlich zu Kleopatra, den Winter 41/40 v. Chr. verbrachte er dort als Privatmann ohne größere Militärbegleitung.

 

Machtpoker in Italien

So standen in Italien Octavian und die Gefolgsleute Antonius‘ einander gegenüber. Antonius selber vergnügte sich ja in Ägypten. Muss schön gewesen sein, war aber machtpolitisch nicht unbedingt die klügste Entscheidung. Dennoch war Octavian in dieser Situation in der Defensive. Ein General von Antonius bedrohte von Afrika aus Spanien, das ja zu Octavians Einflusssphäre gehörte, ein Admiral der Caesarmörder war nach der Niederlage von Philippi erst einmal auf eigene Rechnung unterwegs und zerstörte dabei in Brundisium Octavians Flotte. Alle Trümpfe lagen bei Lucius Antonius, der daher auch auf Verständigungsinitiativen von Octavian nicht einging. Er zog vielmehr nach Rom und nahm die von Lepidus verteidigte Stadt ein. Dann versprach er, dass Antonius gerne zur Verfassung der Republik zurückkehren und den Triumvir-Titel niederlegen wolle, nur müsste dieser dann auch Octavian und Lepidus entzogen werden. Das schien dem Senat schlüssig, der umgehend diese beiden zu Feinden des Vaterlands erklärte.  Die Soldaten fanden diese Entwicklung nur bedingt als gut, da ihre Zukunft durch die Landverteilung doch sehr an der Macht der Triumvirn, insbesondere an Octavian und Antonius hing.

 

Unterschiedliche Truppenteile beider Lager zogen im Folgenden durch Italien, immer in dem Bemühen, gegnerische Legionen einzukreisen. Dabei war es in gewisser Weise hinderlich, dass Antonius nicht vor Ort war, zumal einzelne seiner Heerführer Skrupel hatten, seinen Triumvir-Kollegen wirklich hart anzugreifen, und eher zögerlich agierten. Boten, die Antonius zur Rückkehr bewegen wollten, hatten keinen Erfolg. Man vermutet, dass er Probleme sah, gegen Octavian vorzugehen, da dieser ja eigentlich nur die gemeinsamen Beschlüsse umsetzte. Auf der anderen Seite sah er natürlich die Gelegenheit, einen Konkurrenten loszuwerden. Insgesamt blieb seine Haltung unklar, was bei seinen Heerführern Selbstvertrauen und Handlungssicherheit nicht unbedingt beförderten. Vielleicht war es auch bei Kleopatra einfach zu und zu schön.

 

Entscheidung bei Perusia

Irgendwann kulminierte die Auseinandersetzung bei Perusia, heute als Perugia die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Mittelitalien. Lucius Antonius hatte sich hierhin zurückgezogen. Octavians Feldherren Salvidienus und Marcus Vipsianius Agrippa (etwa 63 bis 12 v. Chr., amt. 37, 28 und 27 v. Chr.) kamen von Norden und von Süden und belagerten ihn. Dabei sahen sie sich allerdings durch nahende Legionen antonianischer Heeresführer bedroht. Diese Bedrohung, in eine Sandwich-Position zu kommen, war im Endeffekt jedoch gut zu beherrschen, da die drei Generäle, Gaius Asinius Pollio (76 v. Chr. bis 5 n. Chr.), Publius Ventidius Bassus (vor 89 bis nach 38 v. Chr., amt. 43 v. Chr.) und Lucius Munatius Plancus sich nicht über den Oberbefehl einigen konnten und recht eigentlich auch keine Lust auf diesen Krieg hatten. Auch Interventionen von Antonius‘ Frau Fulvia änderten dies nicht. Die vorgetragenen Angriffe konnten Octavians Truppen leicht kontern. Auch wenn sich das jetzt so einfach liest, war es doch eine heftige Auseinandersetzung. Auf beiden Seiten wurden umfangreiche Festungswerke und Mauern gebaut. Die Befestigungsanlage der Belagerer war zehn Kilometer lang und umfasste neben Wällen, Gräben und Mauern auch eintausendfünfhundert Türme. Im Februar 40 v. Chr. war es so weit, Lucius Antonius musste nach vielen Monaten Belagerung ausgehungert und bereits von vielen Überläufern verlassen aufgeben. Der sogenannte Perusinische Krieg war vorbei. Mehr als vierzig Legionen und 200.000 Menschen waren beteiligt.

 

Auch jetzt zeigte Octavian seinen nicht durch sonderliche Milde geprägten Charakter. Während er die Soldaten verschonte, er konnte sie ja noch gebrauchen, ging es den Bürgern an den Kragen. Fulvia durfte zwar mit ihren Kindern in den Osten zu ihrem Mann reisen, vielleicht um Antonius die Hand zur Versöhnung zu reichen, vielleicht um ihn zu ärgern. Kleopatra würde sich sicherlich freuen. Der Magistrat von Perusia wurde hingerichtet, die Stadt wurde geplündert und ging in Flammen auf. Es heißt, am 15. März 40 v. Chr., Caesars viertem Todestag, seien 300 Senatoren und Ritter, die auf der Seite von Lucius Antonius gestanden hatten, auf dem Altar des mittlerweile vergöttlichten Caesar geopfert worden. Wenn wir den Römern ein gewisses Maß an Zivilisation zusprechen wollen, ist das eigentlich unvorstellbar. Auf der anderen Seite sollten wir nicht der Versuchung verfallen, die Handlungen von Menschen anderer Kulturen und Zeiten nach unseren Maßstäben zu beurteilen. Wir erleben ja auch im Hier und Jetzt manch Unvorstellbares.

 

Das nächste Mal kümmern wir uns dann auch noch um Sextus Pompeius.

Nun freilich starren Sinnes zu behaupten, dass das, was ich gesprochen habe, auch unbedingte Wahrheit sei, das schickt sich nicht für einen, der zu denken pflegt.

Platon