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(149) Alexios I. und der 1. Kreuzzug

Mit dem Byzantinischen Reich war es in den letzten Jahren deutlich bergab gegangen. Am Ende dieser Phase des Niedergangs putschte sich der General Alexios Komnenos an die Macht. Er sollte wieder für etwas Stabilität sorgen.

 

Machtergreifung

Alexios hatte als Feldherr unter Michael VII. und Nikephoros III. beim Heer so großen Rückhalt, dass es ihn zum Kaiser ausrief. Nachdem er sich gegen Nikephoros durchgesetzt und die Hauptstadt erobert hatte, wurde er am 4. April 1081 vom Patriarchen Kosmas I. (gest. um 1082, amt. 1075 bis 1081) gekrönt. 

     

Viele seiner Vorgänger hatten sich gegen die aristokratischen Familien gestellt, vermutlich auch, um etwaige Konkurrenten klein zu halten. Alexios verfolgte eine andere Politik und suchte dort eher Verbündete und Rückhalt. Er heiratete beispielsweise Irene Dukaina (um 1066 bis 1138) aus der Dukas-Familie, die die Kaiser Konstantinos X. und Michael VII. gestellt hatte. Seine Tochter Anna Komnene (1083 bis 1153) wurde mit Konstantinos Dukas (1074 bis 1094), einem Sohn Michaels VII. verlobt. Anna verdanken wir übrigens durch ihr nach Alexios' Tod verfassten Werk der Alexias oder Alexiade einen aufschlussreichen Bericht über die Herrschaft ihres Vaters. Der Schulterschluss zwischen Alexios und der Aristokratie funktionierte und sorgte für eine gewisse innere Ruhe. Auch mit den Seldschuken konnte er Frieden schließen, auch wenn dieser Schritt von beiden Seiten sicher eher taktischer Natur war.

 

Kämpfe auf dem Balkan

Alexios brauchte Frieden im Osten, um die Situation auf dem Balkan halbwegs im Griff zu behalten. Der Normanne Robert Guiskard hatte 1081 Dyrrhachion auf der östlichen Adriaseite eingenommen und rückte Richtung Konstantinopel vor. Alexios war Stratege. Er verbündete sich mit Partnern, die im Rücken der Normannen lagen. Der römisch-deutsche Kaiser Heinrich IV., den wir durch seinen Gang nach Canossa in Erinnerung haben, und der in Italien eigene Reichsinteressen hatte, war die eine, die Venezianer die andere Karte, die er sich im Mai 1082 in sein Blatt holte. Das Asset, auf das Alexios bei den Venezianern setzte, war ihre Flotte. Die Byzantiner hatten über eine lange Zeit ihre Marine vernachlässigt und erhofften sich durch Venedig ein Gegengewicht zu den Normannen, denen der Nachschub über die Adria auf den Balkan erschwert werden sollte. Im Gegenzug wurden Venedig weitreichende Handelsprivilegien, Steuervergünstigungen und Kontore in vielen Städten des Byzantinisches Reiches zugestanden. Amalfi, das bereits ausgangs des 10. Jahrhunderts ein Kontor in Konstantinopel hatte, wurde gezwungen, einen jährlichen Tribut an Venedig zu zahlen. Lediglich der Schwarzmeerhandel blieb den Venezianern erst einmal verschlossen. Insgesamt war dies aber eine Entwicklung die zum einen den Aufstieg der Venezianer förderte und zum anderen die ökonomische Abhängigkeit Byzanz' vom Westen einleitete.

 

Erst einmal war Alexios' Taktik klug ausgedacht und sie zeigte auch die gewollte Wirkung. Nach den ersten Erfolgen und seinem bis nach Makedonien reichenden Vorstoß, musste Robert Guiskard umkehren. Heinrich IV. war in Italien aktiv geworden und in Apulien hatten die Byzantiner einen Aufstand finanziert. Robert ließ zwar seinen Sohn Bohemund von Tarent (1051/1052 bis 1111, reg. 1089 bis 1111) zurück, der aber von Alexios schließlich in Thessalien geschlagen wurde.

 

Damit war die Balkan-Problematik jedoch nicht erledigt. Zwischen 1088 und 1091 tobte der Krieg gegen die Petschenegen. Diese konnten zwar 1090 Konstantinopel belagern, wurden schließlich aber am 29. April 1091 in der Schlacht von Levounion am Fluss Mariza endgültig besiegt und zurückgedrängt. Dabei halfen die Kumanen, ein Volk aus Südrussland, das manchen eher unter dem Namen Kiptschaken oder Polowzer bekannt ist. Manchen allerdings auch gar nicht. Allerdings musste Alexios kurz darauf gegen diese vorgehen, da sie durch ihren Erfolg etwas übermütig geworden waren. Dabei half der Emir von Nikaia, ein Herr namens Abu‘l-Qasim (gest. 1092, amt. 1084 bis 1092), der seinen Kollegen und Nachbarn Çaka Bey (um 1040 bis 1092), seldschukischer Fürst von Smyrna und Unterstützer der Petschenegen, neutralisieren konnte. Alexios hatte hier wohl nachbarschaftliche Streitigkeiten klug für sich nutzen können. Allein aus den Ortsangaben erkennen wir, wie zusammengeschnurrt das einst so mächtige Byzantinische Reich im 11. Jahrhundert mittlerweile war.

 

Auch auf dem Balkan lief trotz der Siege über die Normannen und Petschenegen weiterhin nicht alles rund. Das überrascht uns nach all den Erfahrungen der letzten Jahrhunderte nicht wirklich. Der serbische Fürst Konstantinos Bodinos (reg. 1072 und 1082 bis 1101), 1072 als Peter III. kurzzeitig auch Zar von Bulgarien, konnte Bosnien unter seine Herrschaft bringen. Das über eine lange Zeit zwischen West- und Ostreich umstrittene Illyrien war damit verloren.

 

Der erste Kreuzzug - Die Idee von Alexios?

Alexios war klar, dass er handeln musste, wenn er sein Reich erhalten wollte. Strategisch am wichtigsten war die Wiedereroberung Kleinasiens. Den Raum vor der eigenen Haustür sollte man schon beherrschen, wenn man als Kaiser durch die Gegend läuft. Aus eigenen Kräften konnte das mittlerweile sehr übersichtliche Reich einen solchen Feldzug nicht stemmen. In dieser Situation kam Alexios auf eine merkwürdige Idee. Er schrieb dem Papst.

 

Im Frühling 1095 besuchte eine byzantinische Gesandtschaft Urban II. (um 1035 bis 1099, amt. 1088 bis 1099), um in Rom militärische Hilfe für einen Feldzug gegen die ungläubigen Seldschuken zu erbitten. Dieser Schritt war aus mehreren Gründen ungewöhnlich. Zum einen war der endgültige Bruch zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche im Jahr 1054 noch nicht so lange her. Damals hätte der Papst sich ja fast auf die Seite der Seldschuken geschlagen. Und vor allem war der Papst nicht derjenige, der unmittelbar über viele Soldaten gebieten konnte. Zudem war sein Verhältnis zu den muslimischen Herrschern nicht grundsätzlich schlecht. Bereits unter Karl dem Großen hatte es gute Beziehungen zu Harun ar-Raschid gegeben, die es mindestens 406 christlichen Mönchen und Nonnen erlaubte, von Karl zumindest in Teilen alimentiert in Jerusalem zu leben.

 

Alexios‘ Idee war eher, dass das Wort des Papstes in allen westlichen Ländern Gewicht hatte und er so sich nicht für ein bestimmtes Land als Bundesgenossen entscheiden musste. Mit dem Papst sprach er die gesamte christliche Gemeinschaft des Westens an. Der Ansatz, einen gemeinsamen Kampf gegen die Muslime zu führen, war für die Menschen auch nicht neu. Die islamischen Kalifate waren ja bis nach Spanien vorgedrungen. Dort kämpfte bereits eine christliche Ritterschaft gegen die Ungläubigen.

 

Ob die Gesandtschaft von Alexios der Auslöser war, wissen wir nicht. Ganz wahrscheinlich erscheint es gerade auch nach den Ereignissen von 1054 eigentlich nicht, dass der Papst auf ein Hilfegesuch des orthodoxen Kaisers reagierte. Auf der anderen Seite mag Urban auch an eine Wiedervereinigung der Kirchen unter seiner Ägide gedacht haben. Zudem sah er die Möglichkeit, die durch den Kampf gegen die Normannen entstandene Allianz zwischen Heinrich IV. und dem Kaiser aus Konstantinopel aufzubrechen. Auf jeden Fall rief er am 27. November 1095 anlässlich einer Synode in Clermont-Ferrand zum Kreuzzug auf.

 

Ein wilder Vorbote

Sofern Alexios das alles so geplant hatte, wurde er doch von der weiteren Entwicklung ein wenig überrascht. Es erschien zunächst kein gut bewaffnetes Heer, sondern ein gewisser Peter von Amiens (um 1050 bis 1115) mit einem Tross von über 10.000 Anhängern, die alle von der Idee beseelt waren, die heiligen Stätten in Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Allein, es fehlte ihnen an militärischer Erfahrung und Ausrüstung. Auf dem Weg kam es bereits in Deutschland, so in Köln, Mainz oder Worms, zu Pogromen und Massenmorden an der örtlichen jüdischen Bevölkerung, die sich auf dem weiteren Weg über Belgrad und Niš wiederholten. Diese wilde, religiös aufgeputschte Truppe langte bereits Anfang 1096 in Konstantinopel an. Wir wundern uns nicht, dass sie Alexios gleich weiter über den Bosporus schickte, wo sie allerdings in Nullkommanichts von den Seldschuken aufgerieben wurden. Peter war klugerweise in Konstantinopel bei Alexios geblieben oder zumindest schnell umgedreht, als er den Schrecken kommen sah.

 

Kreuzfahrer in Konstantinopel

Zwischen Spätherbst 1096 und Mitte Mai 1097 trafen dann die einzelnen Kontingente der europäischen Ritterschaft in der byzantinischen Hauptstadt ein. Insgesamt schätzt man zwischen 30.000 und 70.000 bewaffnete und etwa 30.000 unbewaffnete Teilnehmer an diesem Kreuzzug. Anführer waren

  • Raimund IV. (1041/1042 bis 1105), Graf von Toulouse,
  • Gottfried V. von Bouillon (um 1060 bis 1100) aus Niederlothringen,
  • sein Bruder Balduin von Boulogne (nach 1060 bis 1118, reg. 1100 bis 1118),
  • Robert II. (1054 bis 1134), genannt Kurzhose, aus der Normandie und
  • Bohemund, der Normanne aus Süditalien, den wir als Sohn Robert Guiskards ja schon kennen.

Alexios schloss mit diesen Fürsten und Heerführern Vereinbarungen, die sicherstellen sollten, dass die von den Kreuzfahrern eroberten Gebiete dem Byzantinischen Reich zufallen sollten. Er verlangte den Lehnseid, den ihm auch nahezu alle gewährten. Ein paar zehntausend fremde Krieger hat ja nicht jeder gerne in der Stadt, da sichert man sich gerne nochmal ab. Würden wir ja auch nicht anders machen. Geholfen hat es allerdings nicht viel.

 

Balduin macht sich selbständig

Nach dieser vermeintlichen Klärung zogen die Heere weiter nach Kleinasien. Am 19. Juni 1097 wurde die seldschukische Hauptstadt Nikaia erobert. Die Kreuzfahrer hatten den Ort lange belagert, dann Alexios um Hilfe gebeten, der die Seeseite dicht machte. Durch Geheimverhandlungen erreichte er die Übergabe der Stadt an die Byzantiner, was die Kreuzfahrer nur bedingt gut fanden. Doch der Weg nach Osten war nun frei und so ging es über Kappadokien zum Taurus-Gebirge. In dieser Gegend war für Gottfrieds Bruder Balduin die Reise zu Ende. Er heiratete die Tochter von Thoros (gest. 1098, reg. 1094 bis 1098), dem armenischen Herrscher von Edessa. Dieser frühere byzantinische Statthalter hatte sich gegen die Seldschuken durchsetzen und die Macht in Edessa übernehmen können. Er hatte dann allerdings ein wenig entspanntes Leben, da die Umgebung doch laufend von seldschukischen Überfällen heimgesucht wurde. Er wird also über die Unterstützung Balduins und seiner Truppen sehr froh gewesen sein. Die Freude währte allerdings nur kurz, denn bald danach saß nicht mehr er, sondern sein Schwiegersohn auf dem Thron. Der dachte dann auch nicht mehr an sein Lehnsversprechen gegenüber Alexios und verzichtete auf eine Übergabe seines neu errungenen Fürstentums an den byzantinischen Kaiser. Vielleicht hatte Alexios den Eid ja auf griechisch vorgesprochen und Balduin und seine Kollegen hatten da in der Schule gerade Mumps gehabt.

 

Alexios war Politiker und Kaiser eines Reiches in Bedrängnis. Wir wollen ihm daher nicht vorwerfen, dass er den Kreuzzug vornehmlich für die Durchsetzung byzantinischer Interessen zu nutzen suchte. Zunächst begleitete er den Heereszug durch die Stellung von Hilfstruppen. Bald zog er diese jedoch zurück und nutzte sie, um im westlichen Kleinasien verlorene Gebiete zurückzugewinnen.

 

Kampf um Antiochia

Für die Kreuzfahrer war Antiochia der nächste Dollpunkt. Im Oktober 1097 hatte man die Stadt erreicht. Es dauerte sieben Monate, bis man weiterziehen konnte. Bis kurz vor Schluss sah es so aus, als wäre eine Eroberung unmöglich. Ein muslimisches Ersatzheer aus Mossul war im Anmarsch und Alexios hatte mit seinen Truppen, die eigentlich unterstützen sollten, kehrtgemacht. Bohemund gelang es schließlich auf welchen Wegen auch immer, die Christen in der Stadt dazu zu bewegen, ein Stadttor zu öffnen. Am 3. Juni 1098 fiel die Stadt – bis auf die Zitadelle – den christlichen Kämpfern in die Hände. Die muslimische Bevölkerung wurde wenig geschont, die meisten ermordet – wir sprechen ja von einem christlichen Kreuzzug. Da der mossulische Herrscher Kerbogha (gest. 1102) alsbald vor den Toren der Stadt erschien, waren nun die Christen die Belagerten und die Seldschuken die Angreifer.

 

Die religiöse Motivation der Kreuzfahrer war in dieser Situation das entscheidende Momentum. Einer der Kreuzfahrer, der französische Mönch Peter Bartholomäus (gest. 1099), hatte die Vision, dass sich die Heilige Lanze, mit der der römische Centurio Longinus (um 30) den Tod des gekreuzigten Jesus durch das Öffnen einer Seite des Leibes bewiesen hatte, in der Stadt befände. Und siehe da, bei Grabungen in der Peterskirche fand man diese. Dieses Wunder gab den Kämpfern Mut. Am 28. Juni 1098 konnten sie die Belagerer mit einem gezielten Ausfall besiegen. Bei der Heiligen Lanze aus Antiochia handelte es sich nicht um die, die sich heute in der Wiener Schatzkammer befindet und die Heinrich I. (um 876 bis 936, reg. 912 bis 936) im Jahr 926 erworben hatte. Wir wissen nicht, wie viele Lanzen Longinus seinerzeit benutzt hatte, und auch nicht, wie viele Reliquien einer Heiligen Lanze überliefert sind. Die aus Antiochia hatte allerdings ein kurzes Leben. Im April 1099 wurde sie im Rahmen einer Feuerprobe als Fälschung entlarvt. Zu dem Zeitpunkt hatte sie ja auch ihren Zweck erfüllt.

 

Bohemund hatte entscheidenden Anteil an der Eroberung Antiochias und blieb als Herr der Stadt zurück. Auch ihm galt sein Lehnseid gegenüber Alexios wenig. Mit dem Ehrbegriff war es wohl auch zur Ritterzeit nicht ganz so weit her. Der Rest des Zuges mit Raimund an der Spitze zog weiter gen Jerusalem. Vorher gab es noch ein Verhandlungsangebot seitens der in Syrien und Ägypten herrschenden Fatimiden. Das wurde abgelehnt. Man war schließlich zum Kreuzzug aufgebrochen, um die heiligen Stätten zu befreien, nicht um zu verhandeln. Den Vorschlag einer Teilung des Heiligen Landes, der Jerusalem unter arabischem Einfluss ließ, war daher unannehmbar. Zwei-Staaten-Lösungen hatten es schon damals schwer.

 

Jerusalem wird erobert

Dem Zug nach Jerusalem wollte sich eigentlich auch Alexios anschließen, das hätte in Konstantinopel sicher eine gute Presse gegeben. Das Band zu den Kreuzfahrern war aber mittlerweile zerschnitten. Diese gründeten lieber ihre separaten Fürstentümer wie in Edessa und Antiochia. Alexios schickte entsprechend auch nicht die versprochenen Nachschublieferungen.

 

Am 7. Juni 1099 wurde Jerusalem erreicht. Noch bevor ein fatimidisches Heer anrücken konnte, wurde die Stadt am 15. Juli erobert – obwohl alle Christen aus der Stadt vertrieben worden waren, um ein zweites Toröffnen á la Antiochia zu vermeiden. Das Massaker an den muslimischen Verteidigern, was wir in Antiochia gesehen haben, wiederholte sich dagegen.

 

Am 12. August 1099 besiegten die christlichen Ritter unter Gottfrieds Führung das heranrückende fatimidische Heer bei Askalon, woraufhin der Sieger zum Herrscher von Jerusalem bestimmt wurde. Neben den drei Kreuzfahrerstaaten, die wir bereits kennengelernt haben, dem Königreich Jerusalem, dem Fürstentum Antiochia und der Grafschaft Edessa wurde durch Raimund von Toulouse und seine Erben 1109 noch die Grafschaft Tripolis gegründet. Das Ziel des Kreuzzuges war erreicht, die heiligen Stätten in christlicher Hand. Friede, Freude, Eierkuchen könnte man denken. Wir wissen, dass Geschichte nicht so funktioniert.

 

Bohemund hat und macht Stress

Bohemund, den Sohn Robert Guiskards, haben wir bereits bei dessen Kämpfen gegen Byzanz auf dem Balkan kennengelernt. Er war von Kindesbeinen an kein Freund der Byzantiner und so wundert es uns nicht, dass er von Antiochia aus byzantinische Festungen in Kilikien angriff. Allerdings musste er feststellen, dass sein Fürstentum für langwierige Kriege nicht die notwendigen Ressourcen bereitstellen konnte. Zudem hatte er – wie alle anderen auch – ja weiterhin die islamischen Herrscher als Feind. Bohemund geriet 1100 sogar in Gefangenschaft der Danischmenden, die trotz ihres Namens nicht aus Kopenhagen angereist waren, sondern Vertreter eines mit den Seldschuken konkurrierenden Reiches in Anatolien waren. Sein Neffe Tankred von Tiberias (1072 bis 1112) übernahm. Bohemund konnte sich dann 1103 befreien, was ihn im Mai 1104 nicht vor einer derben Niederlage bei Karrhai, dem heutigen Harran, in Nordmesopotamien bewahrte. Wir kennen den Ort als Carrhae, wo im Jahr 53 v. Chr. Marcus Licinius Crassus, Mitglied des ersten Triumvirats mit Caesar und Pompeius, auf seinem Feldzug gegen die Parther in einer Schlacht unterlag und starb.

 

Bohemund zog sich in seine süditalienische Heimat zurück, plante dort aber gleich wieder Angriffe auf das Byzantinische Reich. Diese endeten aber schnell. Bereits bei Dyrrhachion musste er sich durch Venedig verstärkten Streitkräften Alexios‘ geschlagen geben. Er konnte aber immerhin seine Herrschaften in Unteritalien und Antiochia behalten. Nach seinem Tod 1111 hielt auch sein Neffe Tankred als Regent für den noch zu jungen Sohn Bohemund II. (1107/1108 bis 1130, reg. 1111 bis 1130) an der antibyzantinischen Grundhaltung fest.

 

Konsolidierung?

Durch die Eroberungen, die er im Windschatten des Kreuzzuges machen konnte, hatte Alexios seinem Reich wieder zu mehr Einfluss und Macht verholfen. Er musste sich gleichwohl gegen viele Bedrohungen wappnen. Neben Tankred gab es ja weiterhin die Seldschuken in Kleinasien und Völker wie die Kumanen, die auf dem Balkan für Unruhe sorgten. Mit Venedig gab es zwar ein Bündnis, das aber unter anderem 1116 durch venezianische Eroberungen in Dalmatien belastet wurde, da Konstantinopel dies als sein Einflussgebiet betrachtete. Bereits 1111 hatte man mit Pisa einen Vertrag geschlossen, der der Stadt Handelsprivilegien und ein Kontor in Konstantinopel sicherte. Vielleicht hatte dies die Venezianer ein wenig in ihrer Bündnistreue erschüttert. Byzanz und Pisa verband eine gewisse Abneigung gegenüber den Kreuzfahrerstaaten, nachdem Balduin die Pisaner aus Jerusalem rausgeschmissen hatte.

 

Einen Angriff auf das missliebige Antiochia schaffte Alexios nicht mehr, dazu war die seldschukische Bedrohung in Kleinasien zu groß. Immerhin konnte er 1117 die Seldschuken in der Schlacht von Philomelion, dem heutigen Akşehir in der Provinz Konya, besiegen und damit seine Macht in Kleinasien festigen. Er beherrschte nicht das ganze Land, hatte aber insbesondere in den Küstenregionen bedeutende Landgewinne erzielen können.

 

Als Alexios am 15. August 1118 starb, befand sich das Reich in einem bedeutend besseren Zustand als zu Beginn seiner Regierung. Der Begründer der Komnenen-Dynastie hatte Byzanz nach dem tiefen Niedergang nach Manzikert wieder zu einer Macht werden lassen. Nicht allein nach Außen, wo er wie gezeigt neue Bündnisse schließen und existierende Bedrohungen einhegen oder abweisen konnte. Auch innen- und wirtschaftspolitisch ging es wieder aufwärts. Bereits 1092 hatte er die Wirtschaft durch eine umfassende Münzreform stabilisieren und die Hyperinflation beenden können. Obwohl er ja aktiv auf den lateinischen Papst zugegangen war, verstand er sich auch als Beschützer der Orthodoxie. Das konfliktreiche Verhältnis zu den Kreuzfahrern ließ wenig Spielraum für eine Überwindung des großen Schismas. Noch kurz vor seinem Tod gab es einen großen Prozess gegen die aus Bulgarien stammende Sekte der Bogumilen, die in ihrer Lehre unter anderem ein sehr dualistisches Weltbild mit einem starken Teufel als Gegenspieler Gottes vertraten. Bogumilen finden wir in Europa in unterschiedlichen Ausprägungen bis ins 15. Jahrhundert hinein.

 

Das nächste Mal erleben wir dann, wie es unter seinen Nachkommen weiterging und gehen auf den 2. Kreuzzug.

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