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(176) Spanien: Taifa, Almoraviden, Almohaden

Taifa Königreiche

Wir haben Spanien nach dem Ende des Kalifats von Córdoba verlassen und wollen jetzt endlich schauen, wie es dort weiterging.

 

Die Berberdynastie der Hammudiden hatte bereits 1016 die Macht im Kalifat übernommen. 1031 wurde Hischam III., der letzte Kalif der Umayyaden, dann endgültig vertrieben. Den Hammudiden gelang es jedoch nicht, sich längerfristig zu etablieren. Bereits 1058 wurden sie aus Granada, Algeciras und Málaga vertrieben. In den nächsten Jahren bildeten sich allenthalben kleine Königreiche, nach dem arabischen Wort für Gruppe oder Partei Taifas genannt, die viel Spaß daran hatten, wahlweise sich untereinander zu verbünden und zu bekriegen. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, könnte man sagen, wenn man pejorativ veranlagt wäre. Sind wir aber nicht und aus der Ferne von 1000 Jahren zu urteilen ist eh schwierig. Das fällt ja in der Gegenwart schon schwer.

 

Bis zu 30 dieser Taifas tummelten sich auf der iberischen Halbinsel. Die müssen wir jetzt nicht auswendig lernen. Es gab Taifas der Berber, die Hammudiden sind ein Beispiel und der Araber, beispielsweise in Sevilla, Saragossa, Córdoba und Toledo. In Sevilla herrschten die Abbadiden, die sich als rechtmäßige Nachfolger des Kalifats betrachteten, da mit Hischam III. der letzte Kalif zu ihnen geflohen war. Die dritte Gruppe war die der Taifas der Amiriden, deren Herrscher sich aus dem Führungspersonal des untergegangenen Kalifats rekrutierten. Da dies aber häufig Eunuchen waren, wollte sich hier keine wirkliche dynastische Herrscherfolge entwickeln. Wir finden diese Taifas etwa in Valencia oder Almería.

 

Im Norden hatte die Reconquista, der Prozess der Wiedereroberung der spanischen Halbinsel durch christliche Herrscher, schon erste Erfolge erzielen können. Das alte westgotische Galizien war, wie wir wissen, bereits im 8. Jahrhundert durch Pelayo befreit worden, woraus sich das Königreich Asturien entwickelte. Mitte des 11. Jahrhunderts waren die Königreiche León im Nordwesten und dann nach Osten bis zur Mittelmeerküste weitergehend Kastilien, Navarra, Aragón und die Grafschaft Barcelona und damit vielleicht ein gutes Drittel der Halbinsel wieder unter christlicher Herrschaft. Als es Alfons VI. (1037 bis 1109, reg. 1065 bis 1109), dem König von León und Kastilien, 1085 gelang, Toledo zu erobern, bekamen die Kleinkönige der Taifas Muffensausen und wandten sich an die in Marokko herrschenden Almoraviden. Diese konnten 1086 die Christen in der Schlacht bei Zallaqa, heute Sagrajas in der Nähe von Badajoz an der spanisch-portugiesischen Grenze auf der Höhe von Lissabon gelegen, besiegen. Nun hätten sie nach Meinung der Taifa-Könige gerne wieder nach Hause gehen können. Allein, sie blieben.

 

Die Almoraviden

Die Almoraviden, die die islamischen Taifa-Herrschaften auf der iberischen Halbinsel retteten, waren eine Berberdynastie, deren Reich sich in Nordwestafrika von Marokko über Mauretanien bis zum Senegal erstreckte. Sie folgten einer sehr strengen Auslegung des Islam und hatten mit der oft sehr weltlichen, wenig an den Regeln des Korans ausgerichteten Lebensweise der Kollegen im Norden schon ihre Probleme. Um diese ein wenig einzunorden – oder eher: einzusüden – blieben sie in Spanien und zogen dort die Herrschaft an sich.

 

Das Reich der Almoraviden war noch ein sehr junges Reich. Mehrere Berberstämme aus Nordafrika hatten sich zu größeren Stammesgruppen, den Sanhadscha, Zanata und Masmuda zusammengeschlossen. Die Sanhadscha-Berber kontrollierten beispielsweise den Transsaharahandel zwischen dem Sudan und dem Maghreb. Dabei gab es wenig überraschend Konflikte mit anderen Stämmen.

 

Die Bedeutung der Sanhadscha für die Zukunft lag aber nicht auf politischem oder wirtschaftlichem Gebiet. Der Theologe Abdallah ibn Yasin (gest. 1059) hatte sich in Mauretanien  Yahya ibn Umar al-Lamtuni (gest. 1056, reg. 1046 bis 1056) aus dem Sanhadscha-Stamm der Lamtuna angeschlossen. Beide schafften es, aus den Stämmen der Lamtuna, Masufa und Dschudala den Kampfbund der Almoraviden zu bilden. Den Namen haben wir den Spaniern zu verdanken, die aus dem arabischen al-Murabitun, was auf die ribat genannten Wehrklöster hinwies, in denen sich die an der Grenze lebenden Menschen zum Schutz vor Angriffen und zu religiöser Einkehr versammelten, dann die Bezeichnung Almoravides formten.

 

Ibn Yasin haben wir es zu verdanken, dass die Almoraviden sehr strenggläubig waren. Musik und Wein waren tabu und der chums genannte 20-prozentige der Kriegsbeute bei den Kämpfen gegen andere Berberstämme ging direkt an die Religionsgelehrten und nicht wie üblich an den Herrscher. Das sicherte den Lebensstandard von Ibn Yasin, passte aber nicht jedem Berber. So kam es bereits 1055 zu einem ersten Aufstand. Die Dschudala verabschiedeten sich 1056 aus dem Bund. Bei weiteren Kämpfen fiel Ibn Yasin 1059.

 

Nach dem Verlust ihres geistig-religiösen Oberhauptes wandelten sich die Almoraviden immer mehr zu einer weltlich-politischen Macht. Der Emir Abu Bakr ibn Umar (gest. 1087, reg. 1056 bis 1087), ein Bruder von Yahya ibn Umar, gründete 1070 Marrakesch als Hauptstadt des Reiches. Er bekämpfte heidnische Aufständische in der Sahara, wurde allerdings in seiner Abwesenheit 1072 von seinem Stellvertreter Yusuf ibn Tashfin (1009 bis 1106, reg. 1061 bis 1106) entmachtet. Zwar durfte er sich weiter Emir nennen, war aber de facto machtlos. Es ist nie gut, wenn man zu lange von zu Hause weg ist. Abu Bakr verzichtete auf einen Machtkampf, zog sich nach Süden zurück und kämpfte dort weiter, um den Islam zu verbreiten. So soll er im Reich von Ghana muslimische Herrscher etabliert und so den Aufsatzpunkt für die Islamisierung der afrikanischen Stämme im Nigergebiet geschaffen haben. Eine Leistung, deren Folgen noch heute sichtbar sind.

 

Im eigentlichen Reichsgebiet konnte Yusuf ibn Tashfin 1075 Nordmarokko und bis 1082 das Gebiet bis zum heutigen Algier erobern. 1086 kam es dann zum erwähnten längeren Ausflug nach Spanien, um die muslimischen Taifa-Kleinkönigreiche zu retten. Die Kleinkönigreiche verloren dabei wie gesehen ihre Unabhängigkeit, da die Almoraviden beschlossen zu bleiben, und der rechten Lehre des Islam wieder zu etwas mehr Bedeutung zu verhelfen.

 

El Cid verteidigt Valencia

Lediglich Saragossa unter den Hudiden und Valencia unter Führung des legendären El Cid (um 1045 bis 1050 bis 1099) konnten sich zunächst noch gegen die Eroberer aus Afrika erwehren. Vielleicht hast Du den Film mit Charlton Heston (1923 bis 2008) und Sophia Loren (geb. 1934) gesehen, der das Leben des kastilischen Söldnerführers Rodrigo Diaz de Vivar nacherzählt. Der Name El Cid ist eine lautmalerische Wandlung des arabischen as-sayyid, was »der Herr« bedeutet. Der spanische Nationalheld war aufgrund eigenmächtiger Eroberungs- oder Plünderungszüge bei Alfons VI. von León und Kastilien in Ungnade gefallen und hatte Zuflucht bei Yahya al-Qadir (gest. 1092, reg. 1075 bis 1085 (Toledo) und 1086 bis 1092 (Valencia)), dem Taifa-König von Valencia, gesucht, dem er half, sich gegen die Almoraviden zu verteidigen. Dieser gemeinsame Gegner brachte dann auch wieder eine Annäherung zwischen El Cid und Alfons VI. Seine Machtbasis blieb Valencia, das er auch gegen Eroberungsversuche des christlichen Grafen von Barcelona Berengar Raimund II. (1053/1054 bis 1097, reg. 1076 bis 1097) verteidigen konnte. Die Almoraviden mussten auf den Tod des Warlords warten, bis sie 1102 unter dem späteren Herrscher Ali ibn Yusuf (gest. 1143, reg. 1106 bis 1143) das Königreich Valencia erobern konnten.

 

Der Wolfskönig, die Christen und die Almohaden: Zuviel für die Almoraviden

Ali ibn Yusuf konnte später auch Saragossa (1110) und die Balearen (1115) erobern. Allerdings wurden die Gegenkräfte immer stärker. Schon zur Zeit dieser Eroberungen gab es auch Rückschläge. Sein Versuch, 1109 Toledo zurückzuerobern scheiterte. 1118 ging dann auch Saragossa verloren. Die Macht der Almoraviden erodierte. Die lokalen Herrscher gewannen wieder mehr Macht. Ibn Mardanisch (1124 bis 1172, reg. 1143 bis 1172), der in der spanischen Überlieferung als »Wolfskönig«, Rey Lobo, bekannt ist, konnte beispielsweise seine Herrschaft in Valencia und Murcia auf Jaén, Baez und eine Reihe weiterer Orte ausweiten.

 

Die Bedrohung durch die christlichen Reiche nahm zu. Markgraf Raimund Berengar IV. (1113 bis 1162, reg. 1131 bis 1162), der 1137 die erst einjährige Petronella von Aragón (1136 bis 1173) heiratete und auf diese Weise aus dem von ihm beherrschten Katalonien und dem Königreich Aragón den Staatenverbund schaffte, der einer der Großmächte am Mittelmeer werden sollte, konnte 1148 Tortosa und 1149 Lérida erobern. Da bereits 1147 Almería an Alfons VII. von Kastilien (1105 bis 1157, reg. 1126 bis 1157), der sich 1135 im Übrigen zum Kaiser von ganz Spanien krönen ließ, erobert worden war, schien es eng zu werden für die Muslime in Spanien.

 

In den folgenden Jahren wuchs allerdings im Süden Marokkos eine neue Bedrohung heran. Eine Bedrohung für die christliche Reconquista, aber auch eine Bedrohung für die Almoraviden.

 

Die Almohaden

Ähnlich wie die Almoraviden waren die Almohaden, was sich aus dem Begriff al-muwahhidun für »Bekenner der Einheit Gottes« ableitet, eine Berber-Dynastie, die sich stark auf eine reine Lehre des Islam stütze. Begründer war Abu Abdallah Muhammed ibn Tumart (1077 oder 1091 bis 1130), ein Berber aus der Stammesgruppe der Masmuda. Er hatte in jungen Jahren ein Jahr in Córdoba und danach viele Jahre in Bagdad studiert. 1117/1118 kam er in seine Heimat zurück und versuchte, seine Überzeugungen an den Mann zu bringen, unter anderem, indem er den Koran ins Berberische übersetzen ließ. Nachdem er bei den Almoraviden die Füße nicht so recht auf den Boden bekam, zog er sich 1120 in die Berge des Atlasgebirges zurück und schmollte.

 

Nach einem Jahr kam er aus seiner Höhle und hatte immerhin noch genug Anhänger, die ihn zum Mahdi ausriefen, was seine Bedeutung als unfehlbarer religiöser Führer untermauern sollte. Zehn sollen es gewesen sein. Wir erinnern uns, dass im Islam, insbesondere bei den Schiiten, aber auch bei Teilen der Sunniten, der Mahdi ein Nachkomme Mohammeds sein soll, der zum Ende der Zeiten kommt und das Unrecht in der Welt vernichtet. Unrecht gab es sicher auch damals genug, so dass man meinte, einen Mahdi ganz gut gebrauchen zu können. Ibn Tumart schaffte es, die Masmuda-Stämme als Kampfbund der Almohaden hinter sich zu vereinen und konnte sich so eine schlagkräftige Gefolgschaft aufbauen. Das waren dann schon deutlich mehr als zehn.

 

Al-Mumin übernimmt

Die folgenden Ereignisse erinnern uns ein wenig an die Geschichte der Almoraviden. 1129 versuchten die Almohaden deren Hauptstadt Marrakesch zu erobern. Sie scheiterten. Ibn Tumart überlebte zwar den Angriff, starb aber im folgenden Jahr. Wie seinerzeit nach dem Tod von Ibn Yasin folgte auf Ibn Tumart mit dem von ihm ausgewählten Abd al-Mumin (etwa 1094 bis 1163, reg. 1130 bis 1163) ein eher weltlich-politisch-militärisch geprägter Führer auf das religiös-geistige Oberhaupt.

 

Abd al-Mumin stammte nicht aus einem Masmuda-Stamm, sondern gehörte zu den Zanata. Man hielt Ibn Tumarts Tod drei Jahre lang geheim, um al-Mumin Zeit und Gelegenheit zur Festigung seiner Machtposition zu geben. Auch gegen den Widerstand insbesondere aus der Familie Ibn Tumarts, die lieber einen Masmuda-Mann an der Spitze gesehen hätten, konnte er sich durchsetzen und schließlich auch einige Sanhadscha-Stämme auf seine Seite ziehen.

 

1140, immerhin zehn Jahre nach dem Tod von Ibn Tumart, hatte er seine Machtbasis so weit konsolidiert, dass er die Herrschaft der Almoraviden angreifen konnte. Zwischen 1140 und 1147 eroberte er ganz Nordmarokko und verdrängte schließlich mit der Erstürmung von Marrakesch die Almoraviden von der Macht . Auch das kleine, weiter östlich gelegene Reich der Hammadiden fiel 1151/1152 seinen Truppen zum Opfer. Ebenso ging es 1159/1160 den Ziriden in Algerien, so dass die Almohaden-Herrschaft schließlich bis nach Tripolitanien in Libyen reichte. Ihrem Vordrängen fielen auch die von den sizilianischen Normannen zwischenzeitlich eroberten afrikanischen Küstenorte wie 1135 Djerba zum Opfer.

 

Siege in Andalusien, Probleme in Afrika

Etwas schwerer wurde es zunächst in Andalusien. Zwar konnte al-Mumin bereits zwischen 1147 und 1150 den Süden und Südwesten von al-Andalus erobern, Valencia gelang es allerdings mal wieder, seine Unabhängigkeit zu verteidigen.

 

Nach dem Tod al-Mumins im Jahr 1163 unterwarf dann sein Sohn und Nachfolger Abu Yaqub Yusuf I. (gest. 1184, reg. 1163 bis 1184) auch dieses Kleinkönigreich. Bis 1172 waren alle Muslime in Spanien unter der Herrschaft der Almohaden vereint. Den Versuchen der christlichen Königreiche aus dem Norden, die Reconquista voranzutreiben, widersetzte er sich geschickt, ohne es zu einer großen Schlacht kommen zu lassen.

 

Die schlug dann sein Sohn und Nachfolger Yaqub al-Mansur (um 1160 bis 1199, reg. 1184 bis 1199) zu. Am 19. Juli 1195 konnte er bei Alarcos in der Nähe von Ciudad Real das christliche Heer Kastiliens unter Alfons VIII. dem Edlen (1155 bis 1214, reg. 1158 bis 1214) klar besiegen. Anschließend stieß er plündernd bis Madrid und Guadalajara vor, eine wirklich nachhaltige Ausweitung seines Machtbereichs schaffte er jedoch nicht.

 

Im Gegenteil, er musste sich Angriffen an anderer Stelle erwehren. Im Osten griffen die Ayyubiden an. Zudem verbündeten sich die Beduinenstämme der Banu Hilal in Ifriqiya, also zwischen Ostalgerien und Libyen, mit den noch von den Almoraviden eingesetzten Statthaltern auf den Balearen, den Ghaniyiden. Diese landeten 1184 in Nordafrika, wo sie sich zwar nicht gegen die Almohaden durchsetzen konnten, jedoch auch nie so entscheidend geschlagen wurden, dass der Aufstand endete.

 

Unter al-Mansurs Nachfolger Muhammad an-Nasir (1181/1182 bis 1213, reg. 1199 bis 1213), angeblich der Sohn einer christlichen Konkubine, der mit roten Haaren und blauen Augen und nicht zuletzt einem Sprachfehler nicht vollständig dem Klischee eines muslimischen Kalifen entsprach, wurden die Aufständischen dann allerdings 1209 vom im Osten des Maghreb regierenden Vizekönig Abd al-Wahid (gest. 1221), der sehr unabhängig von den Weisungen des Kalifen agierte, schwer geschlagen. Der Sohn des Vizekönigs Abu Zakariya Yahya I. (1203 bis 1249, reg. 1229 bis 1249) sollte die Dynastie der Hafsiden begründen, auf die wir das nächste Mal auch noch einen Blick werfen werden. Bereits 1203 hatten die Almohaden die Balearen zurückerobert und so den Ghaniyiden die Homebase genommen. Deren Anführer, Yahya ibn Ishaq ibn Ghaniya (gest. 1237), machte trotz einer weiteren schweren Niederlage im Jahr 1223 weiter und wurde erst 1237 im Kampf getötet.

 

Niederlage bei Las Navas de Tolosa: Das Ende naht

Dank seiner fähigen Gouverneure konnte an-Nasir seine Macht in Nordafrika behaupten. Eine schwere Niederlage gab es am 16. Juli 1212 in der Schlacht bei Las Navas de Tolosa, einer Burg etwa 150 Kilometer nördlich von Granada. Die Könige von León-Kastilien, Aragón und Navarra unter Führung von Alfons VIII. von Kastilien hatten sich mit französischen Kreuzrittern zusammengetan und waren einem Aufruf von Papst Innozenz III. zu einem Kreuzzug gegen die Almohaden gefolgt. An-Nasir hatte 1211 mit einem großen Heer nach Spanien übergesetzt und die christliche Ordensburg Salvatierra im Süden der heutigen Provinz Ciudad Real erobern können.

 

Die Niederlage im Juli 1212 bedeutete noch nicht das unmittelbare Ende der almohadischen Herrschaft in Südspanien, läutete aber doch deren Abgesang ein. Die einzelnen Provinz- und Stammesfürsten pochten zunehmend auf ihre Autonomie und verzettelten sich in Zwistigkeiten untereinander. Muhammad an-Nasir starb 1213, sein minderjähriger Sohn Yusuf II. al-Mustansir (1197 bis 1224, reg. 1213 bis 1224) konnte als Nachfolger das Reich immer weniger zusammenhalten. Die Kämpfe im Maghreb dauerten an, die entfernteren Provinzen gingen verloren. 1225 nahmen auch die christlichen Herrscher die Angriffe gegen die Almohaden wieder auf. Da diese nicht mehr für die Sicherheit der Bevölkerung garantieren konnten, wuchs die Unzufriedenheit.

 

Es überrascht in dieser gesamten Gemengelage nicht, dass es auch um die Herrschaft insgesamt immer mehr Streitigkeiten, Kämpfe und Aufstände gab. Idris I. al-Mamun (gest. 1232, reg. 1227 bis 1232), der sich erfolgreich gegen seinen Bruder an die Macht geputscht hatte, beging zudem den Fehler, der immer noch einenden religiösen Ideologie der Almohaden abzuschwören und den Gründer der Dynastie, den Mahdi Ibn Tumart zu verfluchen. So macht man sich keine Freunde und es half auch wenig, dass er dieses Verdikt kurz darauf zurücknahm.

 

Ibn Hud steht auf und wirft sich nieder

In Spanien hatte der Gouverneur von Murcia, ein Herr namens Ibn Hud (gest. 1238, reg. 1228 bis 1238), ausgeschrieben Abu Abdallah Muhammad ibn Yusuf ibn Hud al-Judhami, die Führung der Aufstände gegen die Almohaden übernommen. Er konnte bis 1229 nahezu alle muslimischen Gebiete erobern. Es war lediglich wieder Valencia, das sich halten konnte. Es scheint dort ein gewisses Widerstandsgen zu existieren. Nachhaltigen Erfolg hatte jedoch auch Ibn Hud nicht. Nach mehreren Niederlagen musste er sich 1233 dem kastilischen König unterwerfen und Tribute zahlen. Im muslimischen Lager lief ihm dann Muhammad I. ibn Yusuf ibn Nasr (um 1194 bis 1273, reg. 1232 bis 1273) den Rang ab, der sich 1232 zum Sultan ausrief.

 

Auch in Afrika lief es nicht für die Almohaden. Bereits 1229 hatten die Hafsiden in Tunis die Macht übernommen, 1236 erklärten sie offiziell ihre Unabhängigkeit. In Westalgerien hatte der Berberstamm der Abdalwadiden 1235 ein eigenes Reich errichten können und in Marokko kämpften die Meriniden gegen die Almohaden um die Macht. 1248 ging Fés und damit die Herrschaft über das nördliche Marokko verloren. 1269 fiel dann auch Marrakesch, das Almohaden-Kalifat war Geschichte.

 

Das nächste Mal gibt es dann einen Überblick über die Folgereiche und das übernächste Mal schauen wir, wie die muslimische Herrschaft in Spanien endgültig endet.

Bildnachweise:

Vorschaubild:

  • Motiv: Die Schlacht bei Las Navas de Tolosa (Gemälde von 1864)

  • Quelle: Wikimedia Commons

  • Urheber: Francisco de Paula Van Halen (1814–1887)

  • Lizenz: Gemeinfrei (Public Domain), da die gesetzliche Schutzfrist abgelaufen ist.

  • Bearbeitung: Unverändert übernommen.

  • Abrufdatum: 19.04.2026

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