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(172) Die Ayyubiden

Saladin

Die Ayyubiden, benannt nach Saladins Vater Nadschmuddin Ayyub (gest. 1173), einem kurdischen Soldaten aus dem heutigen Armenien, herrschten in Ägypten, dem wichtigen Knotenpunkt des Mittelmeer- und Indienhandels, knapp einhundert Jahre. Nach den schiitischen Fatimiden standen nun wieder Sunniten an der Spitze.

 

Der bedeutendste Herrscher war auch der erste: Saladin. Eigentlich hieß er Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub ad-Dawini. Er konsolidierte und reformierte Wirtschaft und Verwaltung in Ägypten und konnte bis 1181 Syrien, das nördliche Mesopotamien, den Jemen und im Süden Nubien unter seine Herrschaft bringen. Sehr hilfreich war dabei, dass der eigentliche Initiator der Eroberung Ägyptens, Aleppos Herrscher Nur ad-Din, 1174 verstorben war, und Saladin sich nicht mehr mit dessen Ansprüchen auseinandersetzen musste. Immerhin einigte er sich 1175 mit Nur ad-Dins Sohn und Nachfolger as-Salih Ismail (1163 bis 1181, reg. 1174 bis 1181), dass Damaskus und Nordsyrien in Saladins Hand blieben. Dafür erkannte er den Herrscher von Aleppo als formelles Oberhaupt an. Das war allerdings eher ein kleiner Zwischenschritt. 1176 konnte er as-Salihs Truppen bei Damaskus besiegen. Dann heiratete er Nur ad-Dins Witwe Ismat ad-Din Khatun (gest. 1186) und war damit unangefochten Herrscher in ganz Syrien.

 

Saladins Erfolge gegen die Kreuzfahrer in der Schlacht von Hattin am 4. Juli 1187 und der Eroberung Jerusalems im Oktober des gleichen Jahres kennen wir schon. Ebenso seine Auseinandersetzungen mit Richard Löwenherz mit dem Verlust unter anderem Akkons und den Waffenstillstand, den beide schlossen. Wenn auch zunächst nur für drei Jahre vereinbart, verschaffte dieser den Ayyubiden doch für die nächsten 25 Jahre Ruhe, zumal auch der vierte Kreuzzug sich letztlich nicht gegen die muslimischen Reiche richtete, sondern sich auf Konstantinopel konzentrierte.

 

Al-Adil und al-Kamil: Nachfolgestreit

Seine Nachfolge führte, wie es mitunter nach starken Herrschern passiert, zu einigen Machtkämpfen und Wirren. Die Herrschaft zwischen Ägypten und Syrien war zwischen seinen Söhnen aufgeteilt worden. Schließlich setzte sich jedoch sein Bruder al-Adil Abu Bakr I. (1145 bis 1218, reg. 1196/1200 bis 1218) durch, zunächst 1196 in Syrien, dann 1200 auch in Ägypten. Der aufmerksame Leser wird sich erinnern, dass Saladin und Richard mal geplant hatten, al-Adil mit Richards Schwester Johanna zu verheiraten, was dann an al-Adils Weigerung, zum Christentum überzutreten, gescheitert war.

 

Al-Adil starb im August 1218, just in dem Moment, als ein Kreuzfahrerheer in Ägypten gelandet war. Zuvor hatte er noch Saladins Fehler wiederholt und die Nachfolge so geregelt, dass er das Reich unter drei seiner Söhne aufteilte. Die Ayyubiden regierten sehr viel stärker als die Fatimiden aus einem Familienverbund heraus. Dies war insofern nicht unproblematisch, als es dann die gegenläufigen Interessen der einzelnen in unterschiedlichen Regionen herrschenden Familienmitglieder auszugleichen galt.

 

Syrien, Obermesopotamien und Ägypten lagen wieder in unterschiedlichen Händen und erneut gab es Streit. Herrscher von Ägypten und formales Oberhaupt der Ayyubiden war al-Adils ältester Sohn al-Kamil. Im Zuge der Kreuzzüge haben wir ihn bereits kennengelernt, als er den im Zuge des fünften Kreuzzugs in Ägypten einmarschierten Christen Jerusalem und das heilige Kreuz als Gegenleistung für ihren Abzug anbot. Die Christen hatten aufgrund der harten Haltung des päpstlichen Legaten abgelehnt und daraufhin 1221 den gesamten Feldzug gegen das vereinte ayyubidische Heer verloren. An dieser Stelle funktionierte der ayyubidische Familienverbund der Herrscher von Mesopotamien, Syrien und Ägypten.

 

Grundsätzlich war die Zeit jedoch durch die inner-ayyubidische Konkurrenz, insbesondere die Expansionsbestrebungen des syrischen Ayyubiden al-Muazzam (1176 bis 1227, reg. 1218 bis 1227) geprägt. Al-Kamil brauchte keine zusätzlichen Konflikte und verstärkte seine diplomatische Bemühungen in Richtung der Kreuzfahrer. Diese zeitigten dann 1229 in den Verhandlungen mit Friedrich II. Erfolg. Am 18. Februar des Jahres erkannte er im Frieden von Jaffa das christliche Königreich Jerusalem an.

 

Die Freiheit, die er sich dadurch erkaufte, half ihm in der Auseinandersetzung mit seinem in Syrien und Palästina herrschenden Bruder al-Muazzam. Nach dessen Tod konnte er sich im Zusammenschluss mit seinem Bruder al-Malik al-Aschraf Musa (1178 bis 1237, reg. 1218 bis 1229 (Mesopotamien) und 1229 bis 1237 (Syrien)) gegen al-Muazzams Sohn und Nachfolger an-Nasir Dawud durchsetzen. Er erhielt Nord-, al-Aschraf Zentralsyrien. Und auch al-Aschrafs Herrschaftsgebiet fiel nach dessen Tod 1237 noch an al-Kamil. Al-Aschrafs jüngerer Bruder al-Salih Imad al-Din Ismail (gest. 1245, reg. 1237 und 1239 bis 1245) war kein wirklicher Konkurrent. 1238 marschierte al-Kamil in Damaskus ein, das ayyubidische Reich war wieder unter einer Herrschaft geeint. Der siegreiche Herrscher konnte diese allerdings nicht lange genießen.

 

Mongolische Bedrohung

Parallel zu diesen innerayyubidischen Machtkämpfen machte die Grenzsicherung im Norden Sorgen. Das Vordringen der Mongolen und seine Folgen, besonders das Verdrängen der einheimischen Völker aus den eroberten Gebieten, haben wir am Beispiel Dschalal ad-Dins bereits exemplarisch geschildert. So ganz erkannten aber weder al-Kamil noch seine Kollegen bei den Abbasiden und den Seldschuken die Dramatik des mongolischen Vormarschs. Man kämpfte lieber gegeneinander. So scheiterte al-Kamil 1234 mit einem großangelegten Versuch, die Rum-Seldschuken in Kleinasien zu stürzen.

 

Bereits am 6. März 1238 starb al-Kamil und Du ahnst, was nun passierte. Nachfolger wurde sein Sohn al-Adil II. (1221/1222 bis 1248, reg. 1238 bis 1240), der in Kairo regierte. Es gelang ihm nicht, seine Herrschaft über das gesamte Reich zu etablieren, er war ja auch erst sechzehn Jahre alt. Reich und Herrschaftsstrukturen waren zu fragil. Im Irak eroberten die Mongolen den Norden des Landes, in Palästina konnten die Kreuzfahrer Askalon besetzen und befestigen. Der zehnjährige Friedensvertrag zwischen al-Kamil und Friedrich II. war ja just ausgelaufen, da passte das gerade gut.

 

In Ägypten wurde al-Adil Opfer eines Umsturzes seiner Minister. Immerhin wurde er nicht getötet. Dass er die acht Jahre in Gefangenschaft bis zu seinem Tod 1248 im zarten Alter von 26 Jahren genossen hat, dürfen wir bezweifeln. Ob es wahr ist, dass seine Liebe für einen jungen Schwarzen, dem er die Regierungsgeschäfte übertrug, ausschlaggebend für seinen Sturz war, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen. Schließlich setzte sich 1240 al-Adils Halbbruder as-Salih Ayyub (1205 bis 1249, reg. 1240 bis 1249) durch.

 

As-Salih restauriert das Reich

As-Salih, Sohn von al-Kamil und einer sudanesischen Sklavin, musste, bevor er siegreich in Ägypten einzog, noch einige Kämpfe gegen andere Thronprätendenten aus dem Kreis der erweiterten Verwandtschaft überstehen, die wir uns an dieser Stelle aber schenken wollen. Sein Eroberungszug wurde von Freischärlern, den Resten der Armee von Dschalal ad-Din, und Mamluken getragen. 1244 gelang die Einnahme Jerusalems. Die Christen verbündeten sich daraufhin mit as-Salihs muslimischen Gegnern, ebenfalls Ayyubiden, wurden jedoch im Oktober 1244 in der Schlacht von La Forbie, nördlich von Gaza gelegen, vernichtend geschlagen. 1245 fiel Damaskus, so dass as-Salih nun wieder über den Großteil des ursprünglichen Reiches gebot.

 

Auch er konnte seinen Erfolg nur kurze Zeit genießen. In der Nacht vom 22. auf den 23. November 1249 erlag er einer schweren Krankheit, just als die Kreuzfahrer mal wieder die Idee hatten, über Ägypten das Heilige Land zu erobern. Turan Schah, angeblich der jüngste und einzige noch lebende von as-Salihs Söhnen, gelang es jedoch, wie wir bereits wissen, das Ritterheer zurückzuschlagen, Ludwig IX. gefangen zu nehmen und die Christen erneut aus Ägypten zu vertreiben.

 

Die Mamluken übernehmen

Es scheint eine genetische Veranlagung der Ayyubiden zu sein, ihre Erfolge nicht genießen zu können. Turan Schah wollte nach seinem Erfolg gegen die Kreuzfahrer seine Herrschaft sichern, indem er den Einfluss der Mamluken am Hof einzugrenzen versuchte. Sein Vater hatte diese türkischen Söldner- und Sklaventruppen angeheuert, um sich gegen die Freischärler behaupten zu können, die ihm den Weg zur Alleinherrschaft geebnet hatten. Sein Sohn wird nun an die Geschichte mit dem Regen und der Traufe gedacht haben, denn sein Versuch, die Mamluken, die auch beim Sieg über die Kreuzfahrer die entscheidende Rolle gespielt hatten, aus dem Spiel zu nehmen, misslang gründlich.

 

Seine Stiefmutter Schadschar ad-Durr (gest. 1257, reg. 1250), eine frühere Haremssklavin as-Salihs, fürchtete um ihr eigenes Leben und verriet die Pläne ihres Stiefsohns an die Emire der Mamluken. Am 2. Mai 1250 drang Baibars, der uns auch schon einmal begegnet ist, in die Gemächer Turan Schahs ein und verletzte diesen im folgenden Handgemenge mit dem Schwert. Gleichwohl konnte Turan fliehen. Er gelangte auf einen am Nil stehenden Holzturm, den die Mamluken jedoch prompt anzündeten. Turan flehte um sein Leben. Baibars und seine Männer blieben jedoch hartherzig, so dass der Sultan versuchte, den Flammen durch einen Sprung in den Nil zu entkommen. Das Wasser war an dieser Stelle jedoch eher flach, so dass er ziemlich hart aufkam. Seine Lebensgeister hatten ihn aber immer noch nicht verlassen, so dass seine Verfolger ihn mit einigen Pfeilschüssen endgültig ermordeten.

 

Die Herrschaft der Ayyubiden hatte auf dramatische Weise ihr Ende gefunden. Nein, noch nicht ganz. Da die einzelnen Anführer der Mamluken sich nicht einig waren, wie und vor allem mit wem an der Spitze es jetzt weitergehen sollte, griff man in die Trickkiste. Schadschar ad-Durr wurde zur Sultana ausgerufen. Vom 2. Mai bis zum 31. Juli 1250 wurde sie die erste – und bis heute die einzige – muslimische Herrscherin Ägyptens. Das nächste Mal schauen wir dann, wie es ihr und den Mamluken erging.

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