Das letzte Mal haben wir das Ende der almohadischen Herrschaft in Spanien erlebt. Wie ging es nun weiter?
- Im Westen des Maghreb, grob gesagt in Marokko, setzten sich zunächst die Meriniden durch,
- im Osten, dem heutigen West-Libyen, Tunesien und Ost-Algerien die Hafsiden und
- dazwischen, in der Region um Tlemcen an der algerisch-marokkanischen Grenze die Abdalwadiden, auch Zayyaniden genannt.
- In Spanien schließlich konnten die Nasriden mit ihrer Hauptstadt Granada noch über 200 Jahre einen muslimischen Brückenkopf halten.
Blicken wir ein wenig näher auf diese vier Dynastien. Die Nasriden in Spanien nehmen wir uns das nächste Mal vor. Dieses Mal schauen wir nach Afrika.
Die Meriniden
Die Meriniden stammen vom Berberstamm der Banu Marin ab, der eigentlich eher in Opposition zu den herrschenden Almohaden lebte. Gleichwohl kämpften sie 1195 in der siegreichen Schlacht von Alarcos gegen Alfons VIII. an deren Seite. Wir erleben Zweckbündnis getragen durch die Ideologie des Dschihad und die Pragmatik, dass die Almohaden bei einer Vertreibung aus Spanien sich im Zweifel in das Gebiet der Meriniden zurückziehen würden. Das war dann eher weniger in deren Interesse.
Zur Legitimierung der eigenen Herrschaft beriefen sich die Meriniden auf die Idrisiden, insbesondere Idris II. (791 bis 828, reg. 803 bis 828), die zwischen 789 und 985 in Marokko eines der ersten islamischen Reiche im westlichen Maghreb gründen konnten.
Bedeutung gewannen sie ab Mitte des 13. Jahrhunderts unter Abu Yahya Abu Bakr (gest. 1258, reg. 1244 bis 1258). Bis 1248 konnte Nordmarokko mit dem Hauptort Fés erobert werden. Unter Abu Yusuf Yaqub (gest. 1286, reg. 1258 bis 1286) wurde 1269 mit dem Gewinn von Marrakesch die letzte Basis der Almohaden-Herrschaft beseitigt. Ebenso wie die Almoraviden und die Almohaden wurden auch die Meriniden von den nun in al-Andalus herrschenden Nasriden zur Hilfe gerufen. Vier Feldzüge wurden nach Spanien auf den Weg gebracht. Als Belohnung erhielt man die Stadt Algeciras.
Die Meriniden waren auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Yusuf Yaqubs Nachfolger mussten sich aber nun mit aufständischen Berberstämmen, Angriffen der Kastilier, die 1291 Tarifa gewinnen konnten und Kämpfen gegen die im benachbarten Osten herrschenden Abdalwadiden beschäftigen. Deren Hauptstadt Tlemcen, im Nordwesten Algeriens nahe der marokkanischen Grenze gelegen, wurde acht Jahre lang belagert. Die Ermordung des merinidischen Sultans Abu Yaqub Yusuf (um 1230 bis 1307, reg. 1286 bis 1307) durch einen Haremssklaven rettete die Abdalwadiden. Wir kümmern uns mal nicht um die möglichen Motivationen des Mörders.
Unter Abu l-Hasan (gest. 1351, reg. 1331 bis 1349/1351) erreichte das merinidische Reich mit der Eroberung von Tlemcen im Jahr 1337 und Tunis zehn Jahre später seine größte Ausdehnung. Aber bereits 1340 setzte es bei Tarifa eine empfindliche Niederlage gegen ein kastilisches Heer und 1344 fiel mit Algeciras, nach zwischenzeitlichem Verlust erst 1333 zurückerobert, die letzte Bastion auf der iberischen Halbinsel.
Um 1420 war die merinidische Herrschaft faktisch Geschichte. Der Druck der Reconquista in Spanien nahm zu. Muslime drängten aus Spanien nach Marokko, das Machtgefüge verschob sich. 1415 fiel Ceuta an die Portugiesen, die erste – nachhaltige – Besitzergreifung einer christlichen Macht in Nordafrika.
Die Meriniden hatten die Macht mittlerweile an die Wattasiden abgeben müssen, eine Dynastie von Wesiren. Diese ließen die merinidischen Sultane zwar noch formal an der Spitze, setzten sie aber nach Belieben ein und wieder ab. Auch die Wattasiden konnten jedoch gegen die Portugiesen wenig ausrichten, die bis 1513 alle wichtigen Häfen an der Atlantikküste besetzten, wichtige Stützpunkte sowohl für einen sicheren Seeweg nach Indien als auch für Handelsaktivitäten ins Landesinnere.
So war die Herrschaft der Wattasiden nur von kurzer Dauer. Unter Abu Abdullah al-Qaim (gest. 1517, reg. 1505 bis 1517) konnten die Saadier ein Bündnis mehrerer Stämme gegen die Portugiesen schmieden, das ihren Aufstieg zur herrschenden Dynastie in Marokko begründete. Von 1549 bis 1664 waren sie an der Macht. So weit wollen wir an dieser Stelle aber gar nicht nach vorne schauen, sondern uns jetzt den anderen Reichen zuwenden, die den Almohaden folgten.
Die Abdalwadiden oder Zayyaniden
Das Reich der Abdalwadiden war wahrscheinlich der schwächste der vier Nachfolger der Almohaden. 1235 hatte sich der Führer des Berberstammes der Banu Abd al-Wad, ein Herr namens Abu Yahya Yaghmurasan ibn Zayyan (gest. 1282/1283, reg. 1235 bis 1282/1283), aus dem Almohadenreich gelöst und zwischen Tlemcen und Algier eine eigenständige Herrschaft errichten können.
Das von ihm geschaffene Reich, das entweder nach dem Berberstamm oder nach seinem Gründer als Reich der Abdalwadiden beziehungsweise der Zayyaniden bezeichnet wird, konnte sich zwar bis 1554 halten, war aber eigentlich stets in einer prekären Situation. Im Westen drohten die Meriniden, deren Angriffe wir schon mitbekommen haben. Im Osten saßen die Hafsiden. Im Süden gab es immer wieder Unruhen durch Beduinenstämme. Und im Norden, auf der anderen Seite des Mittelmeeres, lagen die Reiche der Nasriden und Kastilier. Zu beiden suchten die Abdalwadiden eher freundschaftliche Beziehungen, in der Hoffnung, dass beide in Konflikt mit den Meriniden kämen und den Feind vor der Haustür schwächten.
Seine stärkste Phase hatte der Abdalwadiden-Staat zu Beginn des 14. Jahrhunderts unter Abu Hammu I. Musa (1266 bis 1318, reg. 1308 bis 1318) und dessen Sohn Abu Tashfin I. (1293 bis 1337, reg. 1318 bis 1337). Letzterer kam an die Macht, weil er seinen Vater ermordete. Nicht schön. In dieser Zeit gelang dann aber die Konsolidierung des durch die Angriffe der Meriniden geschwächten Reiches. Der Handel blühte, viele Kaufleute aus Andalusien siedelten nach Tlemcen über und verbreiteten die andalusische Kultur im Westen Algeriens.
Abu Tashfin überschätzte dann irgendwann seine Stärke und griff die Hafsiden in Tunis an. Diese waren nicht ganz dumm, verbündeten sich mit den Meriniden und die Abdalwadiden mussten klein beigeben. 1337 fiel der Sultan bei Straßenkämpfen in Tlemcen. Hochmut kommt vor dem Fall. Wir haben das ja hie und da schon gesehen.
Immerhin gelang es Abu Hammu II. Musa (1324 bis 1389, reg. 1359 bis 1389), den abdalwadidischen Staat wieder zu restaurieren. Hierbei halfen die Hafsiden, vielleicht, weil ihnen die starken Meriniden als direkte Nachbarn dann doch etwas unheimlich waren. Auch Abu Hammu II. Musa hatte einen Sohn namens Abu Tashfin II. (1351 bis 1393, reg. 1389 bis 1393). Und auch dieser opponierte gegen seinen Vater. Es wird nicht an dem Namen gelegen haben, aber vielleicht solltest Du bei Deinem Nachwuchs an dieser Stelle etwas vorsichtig sein. Dieser Abu Tashfin II. konnte sich am Ende auch durchsetzen – auch gegen seinen Vater, den er in einer für diesen tödlichen Schlacht besiegte.
Abu Tashfin II. hatte sich zuvor mit den Meriniden zusammengetan. Seine Herrschaft war dann auch keine unabhängige mehr, sondern er war de facto ein Vasall der Nachbarn im Westen. Auch nach deren Niedergang konnten sich die Abdalwadiden nicht mehr zu einer eigenständigen Herrschaft aufschwingen. 1411 errangen die Hafsiden die Oberherrschaft, 1509 dann das mittlerweile christliche Spanien. Die Abdalwadiden verlegten sich nun mehr auf die Piraterie, womit sie insbesondere die Spanier nervten. 1555 war es dann endgültig vorbei mit den Abdalwadiden.
Die Hafsiden
Das hafsidische Reich führt sich zurück auf Abu Hafs Umar (1090 bis 1175), den Anführer eines Berberstamms, der südlich von Marrakesch siedelte, also weit weg von Tunesien, wo die Hafsiden schließlich ihr Reich bildeten. Abu Hafs Umar war ein wichtiger Anführer der Almohaden zu Zeiten von Ibn Tumart und Abd al-Mumin gewesen. Sein Enkel Abu Zakariyya Yahya I. (1203 bis 1249, reg. 1229 bis 1249), zunächst Gouverneur in Ifriqiya mit Sitz in Gabès an der südtunesischen Küste, weigerte sich 1229, den von Idris I. al-Mamun eingeschlagenen Weg mitzugehen, der sich ja von der reinen almohadischen Lehre abgewandt und den Religionsgründer Ibn Tumart verflucht hatte. Also machten sich die Hafsiden selbständig, die Almohaden hatten bekanntermaßen nicht mehr die Kraft, sich dagegen zu wehren.
Der Zufluss von Muslimen aus Andalusien, die vor den Angriffen der Spanier flohen, und insbesondere die Handelsbeziehungen zu den italienischen Republiken wie Genua, Pisa oder Venedig sorgten für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Hafsiden hatten wenig Berührungsängste gegenüber den Europäern. Man gönnte sich sogar christliche Söldnergarden. Tunis wurde bald Hauptstadt.
1245 erkannten die Meriniden die grundsätzliche Oberhoheit der Hafsiden an. Man zahlte Tribute, allerdings nicht lange. Abu Zakariyya Yahyas Nachfolger Mohammad I. al-Mustansir (etwa 1228 bis 1277, reg. 1249 bis 1277) legte sich 1253 den Kalifentitel zu und wurde sogar von den mekkanischen Scherifen und womöglich kurzzeitig auch von den Mamluken - auch sie ganz zu Beginn ihrer Herrschaft – als solcher anerkannt. Mohammad I. al-Mustansir musste sich im Übrigen mit dem merkwürdigen Kreuzzug von Ludwig IX. auseinandersetzen, der ja nicht gen Jerusalem gezogen, sondern 1270 nach Karthago gesegelt war. Dieses Abenteuer war aber, wie wir wissen, schnell Geschichte.
Nach Mohammad I. al-Mustansirs Tod gab es für etwa einhundert Jahre eine Zeit, in der die Hafsiden selbst wenig zu sagen hatten. Abdalwadiden und Meriniden waren in dieser Zeit stärker und eroberten hin und wieder auch das hafsidische Territorium, so die Abdalwadiden zwischen 1315 und 1318 und die Meriniden zwischen 1347 und 1349/1350 sowie erneut 1357. In dieser Zeit fanden die Hafsiden Unterstützung in dem mächtigen Almohaden Ibn Tafragin (gest. 1364, amt. 1343 bis 1364), seines Zeichens Hadschib, was mit »Kammerherr« vielleicht formal richtig, sachlich aber sehr unzureichend übersetzt ist. Er war die führende politische Kraft in dem schwächelnden hafsidischen Staat. Zwar war er als Scheich der Almohaden eigentlich nicht der klassische Bündnispartner für die Meriniden. Gleichwohl paktierte er mit ihnen, seine eigene Machtstellung war ihm letztlich wichtiger. So was soll auf allen Ebenen hie und da vorkommen. Wir müssen auch bedenken, dass dies die Jahre waren, in denen die Pest auch im Maghreb Einzug hielt. Da war Regieren sicherlich nicht immer einfach.
Abu l-Abbas Ahmad II. (gest. 1394, reg. 1370 bis 1394) gelang dann die erneute Vereinigung des Hafsidenreiches. Zwar gab es aufgrund der von ihm geduldeten, vielleicht sogar geförderten Piraterie Konflikte mit den ursprünglich verbündeten Handelsrepubliken in Italien. Ein Bündnis aus Genua, Pisa und dem Königreich Sizilien konnte 1388 sogar Djerba erobern, letztlich aber den Hafsiden nicht gefährlich werden. Auch unter Abu l-Abbas Sohn Abu Faris Abd al-Aziz II. (gest. 1434, reg. 1394 bis 1434) florierte das hafsidische Reich. Bis nach Tlemcen, das zwischen 1424 und 1431 unter hafsidischer Kontrolle war, weitete sich der Machtbereich aus. Weitere Vorstöße gingen sogar nach Marokko und Andalusien.
Die Herrschaft von Abu Faris Sohn (oder Enkel, die Quellen sind da uneins) Abu Umar Uthman (gest. 1488, reg. 1435 bis 1488) begann noch in guten, stabilen, ja prosperierenden Verhältnissen. Man griff 1462 und 1466 mal wieder die Abdalwadiden in Tlemcen an und auch der mittlerweile wattasidische Herrscher im Westen erkannte 1472 die Souveränität der Hafsiden an. Er hatte im eigenen Vorgarten genug zu tun.
In diesen Jahren wurde es aber ungemütlicher. Die zunehmende Piraterie im Mittelmeer beeinträchtigte die wirtschaftlichen Beziehungen zu den christlichen Anrainern, die Pest wütete und die immer wieder aufmüpfigen Beduinenstämme wollten die zunehmende Schwäche des Staates für ihre Zwecke nutzen. Dies beeinträchtigte insbesondere den Karawanenhandel durch die Sahara in den Süden.
Die Herrschaft der Hafsiden hatte ihren Höhepunkt überschritten. Das Osmanische Reich und das Kaiserreich Karls V. (1500 bis 1558, reg. 1516 (Spanien) resp. 1519 (Österreich und Heiliges Römisches Reich) bis 1556) wurden stärker. 1510 besetzten die Spanier Bejaia und Tripolis, 1534 eroberten die Osmanen, die bereits in Algier herrschten, auch Tunis. Es ging noch eine Weile hin und her – zwischen den Spaniern und den Osmanen, die Hafsiden waren nurmehr der Spielball. Sie schlugen sich mehr auf die Seite der Spanier, deren Oberhoheit sie anerkannten. Es nutzte nichts. Endgültig Schluss war, nachdem die Türken Tunis, das Don Juan d’Austria (1547 bis 1578), ein unehelicher Sohn Karls V., erst 1573 erobert hatte, 1574 zurückgewannen. Die Habsburger verzichteten auf weitere Kämpfe, die Hafsiden waren Geschichte.
Das nächste Mal blicken wir dann noch zu den Nasriden nach Spanien, womit wir dann auch die Runde durch die islamischen Reiche abschließen.
Bildnachweise:
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Motiv: Territoriale Ausdehnung der Meriniden, Zayyaniden und Hafsiden (ca. 1360). Basierend auf P. Sluglett: Atlas of Islamic History.
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Quelle: Wikimedia Commons
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Urheber: Askelaadden / R. Prazeres
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Lizenz: CC BY-SA 4.0 International
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Bearbeitung: Unverändert übernommen.
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Abrufdatum: 20.04.2026


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