tteisÖgedei wird Großkhan – und das Reich geteilt
Nach dem Tod Dschingis Khans im Jahr 1227 stellte sich naturgemäß die Frage, wie es mit seinem Riesenreich weitergehen würde. Der Großkhan hatte seine Nachfolge allerdings frühzeitig geregelt: Auf einem bereits im Jahr 1218 oder 1219 abgehaltenen Kurultai war sein drittgeborener Sohn Ögedei zum Nachfolger bestimmt worden. Entsprechend der mongolischen Tradition hätte es eigentlich der jüngste Sohn Tolui (etwa 1191 bis 1232) sein müssen. Ögedei war in Dschingis Khans Augen wohl geeigneter und Tolui scheint die Wahl zunächst auch akzeptiert zu haben. Auf Jochi, dem Erstgeborenen, lastete ja seit seiner Geburt der Verdacht, dass Dschingis Khan nicht sein Vater sei. Der Zweitälteste, Tschagatai (um 1185 bis 1242, reg. 1227 bis 1242), hatte sich wohl sowieso keine Hoffnungen gemacht und war also ebenfalls einverstanden.
Ebenfalls frühzeitig hatte Dschingis Khan 1220 den Ort für die künftige Hauptstadt Karakorum, was mit »schwarzer Berg« übersetzt werden kann, am Ufer des Flusses Orchon festgelegt. Nur in der kurzen Zeitspanne von 1235 bis 1260 war es die Hauptstadt des mongolischen Reiches. Dann verlegte Kublai Khan (1215 bis 1294, reg. 1260 bis 1294) diese nach Peking. Als die Mongolen später aus China vertrieben wurden, wurde Karakorum 1358 noch einmal für dreißig Jahre Hauptstadt, bevor es 1388 durch die Chinesen vollständig zerstört wurde.
Auf einer Versammlung der Stammesfürsten wurde Ögedei 1229 auch formal zum Nachfolger seines Vaters bestimmt. Zudem wurde das Reich unter den drei noch lebenden leiblichen Söhnen und den Nachkommen des bereits verstorbenen Jochi aufgeteilt. Es gibt Gerüchte, dass dieser einem von seinem Vater initiierten Giftanschlag zum Opfer gefallen sei. Er hatte sich geweigert, an einem Feldzug gegen die Tanguten teilzunehmen, vielleicht weil ihm der Aufbau eines eigenen Reichs im Westen (Grundlage der späteren "Goldenen Horde") wichtiger war. Immer dabei bei den möglichen Ursachen für mysteriöse Todesfälle ist auch der Jagdausflug. Vielleicht erlag er aber auch »nur« einer Krankheit.
Die Aufteilung des Reiches sah dann wie folgt aus:
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Jochis Nachkommen erhielten die Region von Westsibirien über Kasachstan und Choresmien bis in die Ukraine. Hieraus entwickelte sich das Reich der Goldenen
Horde.
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Ögedei, das neue Oberhaupt des gesamten Reiches, bekam das Altai-Gebiet und die südlich davon gelegene Dsungarei. Auch wenn er als Großkhan direkter Nachfolger von Dschingis
Khan war, überlebte sein Reich nicht und wurde im frühen 14. Jahrhundert von den Nachfolgern Tschagatais und Toluis vereinnahmt.
- Dem älteren Tschagatai wurden die Steppen von Turkestan und das Tarimbecken zugeteilt. Sein Reich firmiert in den Büchern wenig einfallsreich als
Tschagatai-Khanat.
- Der jüngste Sohn Tolui wurde mit der Mongolei abgefunden. Dies folgte der Tradition, dass der jüngste Sohn immer die heimische Jurte mit dem nie verlöschenden Herdfeuer, also die Stammlande erbte. Er war damit bis zur Wahl Ögedeis auf formal Regent des gesamten Reiches. Aus der Tolui-Linie erwuchsen dann unter Hülegü das Il-Khanat und unter Kublai Khan die Yuan-Dynastie in China.
Ögedei, ein Philanthrop?
Ögedei galt als besonnen und – zumindest im Vergleich zu seinem Vater – als relativ menschenfreundlich. Seine ausgleichende Art war wohl auch ein wesentliches Kriterium für seine Wahl zum Nachfolger gewesen, galt sein älterer Bruder Tschagatai doch als eher aufbrausend und unbeherrscht. Von seiner Menschenfreundlichkeit bekamen die Jurchen allerdings nicht ganz so viel mit. 1234 konnte Ögedei durch die Eroberung von Kaifeng, das nach dem Verlust Pekings deren neue Hauptstadt geworden war, die Jurchen-Jin-Dynastie endgültig besiegen. Zuvor war bereits 1231 ein Feldzug nach Korea erfolgreich abgeschlossen worden, allerdings nicht so erfolgreich, dass nicht 1235 eine erneute Aktion erforderlich wurde.
Nach dem Niederringen der Jurchen war der Eroberungsdrang noch nicht gestillt, nun sollte es erneut in Richtung Westen gehen. Batu Khan (1205 bis 1255, reg. 1236 bis 1255) war der auserkorene Heerführer. Wir werden uns diesen Feldzug, der in Europa als Mongolensturm Angst und Schrecken verbreitete, auch noch etwas genauer ansehen, wenn wir auf die Entwicklung der Teilreiche eingehen, die Dschingis Khans Söhnen zugeordnet worden waren.
Zunächst schauen wir aber auf die Entwicklung des gesamten Reiches beziehungsweise die Rolle des Großkhans in den nächsten Jahrzehnten.
Ögedei hatte wie gezeigt die Jin-Dynastie der Jurchen unterworfen. Eine seiner wichtigen Leistungen war die Etablierung eines effizienten Postsystems in seinem Reich, das es ermöglichte, jeden Winkel des Riesenreiches in 7 bis 11 Tagen zu erreichen und mit den aktuellen Befehlen des Herrschers zu versorgen.
Ögedeis Nachfolge
Ögedei starb 1241, man vermutet an den Folgen seiner Alkoholabhängigkeit. Sein Tod bedeutete für Europa die Abwendung eines potentiellen Dramas. Gerade hatte eine von Batus Heeresgruppen am 9. April 1241 bei Liegnitz in Schlesien ein deutsch-polnisches Ritterheer vernichtend geschlagen und eine andere am 11. April die Ungarn bei Muhi, 15 Kilometer südlich von Miskolc. Auch wenn es vielleicht nicht der einzige Grund war, so war Ögedeis Tod doch enscheidend dafür, dass Batu den Eroberungszug abbrach. Er sah sich gezwungen, nach Osten zurückzukehren, um seine Machtbasis im Poker um die Nachfolge zu sichern. Wir müssen zudem auch bedenken, dass ein weiteres Vordringen mit deutlich mehr Schwierigkeiten verbunden gewesen wäre, da die weiter westlich gelegenen Länder dichter besiedelt waren und zahlreiche Burgen und befestigte Städte aufwiesen. Kein leichtes Umfeld für Angriffe mit beweglicher Kavallerie.
Dennoch waren diese Niederlagen ein Schock für die abendländische Welt. Ludwig IX. »der Heilige« von Frankreich zog sogar den Märtyrertod in Erwägung. Ein Effekt war auch, dass die Idee der Kreuzzüge immer unpopulärer wurde. Rein hemd- und rockmäßig war einem die Absicherung der eigenen Heimat dann doch wichtiger als der Kampf um die heiligen Stätten in der Fremde.
Der Rückzug Batus war für ihn auch insofern wichtig, als sich zwischen den einzelnen Familien von Dschingis Khans Söhnen immer wieder Streitigkeiten entwickelten. Es begann die Zeit, in der die Mongolen sich in zwei Fraktionen spalteten. So standen die Clans Toluis und Jochis auf der einen Seite denen von Tschagatai und Ögedei auf der anderen nicht nur freundschaftlich gegenüber.
Güyüks kurze Herrschaft
Zunächst folgte auf Ögedei seine Frau Töregene (etwa 1185 bis 1247, reg. 1242 bis 1246), die auch den Titel Khatun, die weibliche Form von Khan annahm. Ihr Ziel war es, ihren Sohn Güyük auf den Thron zu bringen, obwohl ihr verstorbener Mann seinen Enkel Schiremun (um 1230 bis 1252) favorisiert hatte. Sie sicherte sich die Unterstützung der Familie von Tschagatai und hatte genug Macht, die Beamten, Minister und Gouverneure zu töten oder zumindest zu vertreiben, die sie nicht als loyal empfand. Erst 1246 hielt sie den Kurultai ab, auf dem es ihr dann wirklich gelang, Güyük als nächsten Großkhan zu etablieren. Jochis Sohn Batu versuchte, die Wahl Güyüks, mit dem er sich auf dem Russlandfeldzug bereits zerstritten hatte, zu verhindern und Toluis ältesten Sohn Möngke an die Macht zu bringen. Dies gelang nicht, zumindest nicht bei diesem Versuch.
Lange konnte Güyük seine Herrschaft nicht genießen. Er starb bereits 1248 auf einer Reise vermutlich an einer Infektion. Auch die Konflikte zwischen den Familien waren zu diesem Zeitpunkt weiterhin virulent. Als er starb, war er gerade auf dem Weg zu seinem Vetter Batu – entweder um sich auszusöhnen oder um ihn zu besiegen. Wahrscheinlich erst besiegen, dann gnädig aussöhnen, wenn noch jemand zum Aussöhnen übrig geblieben war. Die Zahl der auf beiden Seiten mobilisierten Soldaten klingen auf jeden Fall nicht nach unbedingtem Friedenswillen.
Nach Güyüks Tod wurde die Regentschaft seiner Witwe Ogul Qaimish (vor 1216 bis 1251, reg. 1248 bis 1251) übertragen. Während ihrer Regierungszeit gab es einen Austausch von Delegationen mit Ludwig IX. von Frankreich. Zu dem sicherlich angedachten Bündnis gegen die Muslime kam es jedoch nicht. Oguls Forderung nach einer Unterwerfung fand Ludwig vielleicht nicht so toll.
Möngke wird Großkhan
Irgendwann um 1250 veranstaltete Batu eine Reichsversammlung, auf der er nun gerne Möngke zum Großkhan gewählt haben wollte. Auf eine eigene Kandidatur verzichtete er wohlweislich, um Anfeindungen aufgrund der zweifelhaften Geburt seines Vaters Jochi zu vermeiden. Ogul erschien nicht selbst, sondern schickte einen Vertreter, der die Wahl Shiremuns oder eines anderen Mitglieds des Ögedei-Clans durchsetzen sollte. Letztlich ging man ohne Beschluss auseinander.
1251 traf man sich wieder, wiederum ohne Ogul. Diesmal wurde – sicherlich gegen den Widerstand der Familien von Ögedei und Tschagatai – Möngke zum Großkhan gewählt. Ogul und Shiremun versuchten danach, den neugewählten Herrscher zu stürzen, fanden dabei allerdings selbst den Tod. Shiremun wurde hingerichtet, Ogul in Filz gewickelt und in einen Fluss geworfen. Innovativ waren die Mongolen hinsichtlich ihrer Hinrichtungsformen schon. Vielleicht wurde sie auch »nur« in einen Sack gesteckt, aber die Geschichte mit dem Filz klingt doch dramatischer, oder?
Es waren nicht die einzigen Opfer Möngkes. Nach seiner Wahl organisierte er eine systematische Verfolgung potentieller Feinde, also der Beamten, Offiziere und hochrangigen Familienmitglieder der ihm nicht wohlgesonnenen Clans. Ob es dabei wirklich dreihundert Todesopfer gab, wie ein am Hof Möngkes lebender Franziskanermönch berichtete, wissen wir nicht. Viele der Nachkommen von Dschingis Khan wurden auch ins Exil geschickt. Auf jeden Fall war die Aktion so effektiv, dass Möngke die nächsten acht Jahre bis zu seinem Tod relativ unbehelligt herrschen konnte.
Kublai Khan übernimmt
Möngke starb im August 1259 auf einem Feldzug gegen die chinesische Song-Dynastie, deren Reich im Süden der Landes lag. Ihm folgte sein Bruder Kublai Khan – überraschenderweise ohne zwischenzeitliche Regentschaft der Ehefrau des Vorgängers. Seine Wahl fand auf einem von ihm selbst einberufenen Kurultai statt, auf dem viele der wahlberechtigten Prinzen und Stammeshäuptlinge gar nicht zugegen waren und der auch nicht auf mongolischem Boden stattfand, was die Legitimation der Wahl zusätzlich schmälerte. Die meisten der mongolischen Honoratioren favorisierten auch nicht Kublai, sondern seinen jüngeren Bruder Ariq Böke (nach 1219 bis 1266). Auch dieser wurde auf einer Versammlung von Stammesfürsten zum Großkhan gewählt, was dann zu drei bis vier Jahren Bürgerkrieg, dem sogenannten »Toluidischen Erbfolgekrieg«, unter den Mongolen führte. Letztlich verlor Ariq Böke die Unterstützung der Tschagatai-Familie, so dass er 1263 kapitulieren musste. 1266 starb er in Gefangenschaft unter ungeklärten Umständen. Wir malen uns da lieber nichts aus.
Der Streit zwischen beiden Brüdern war ein Menetekel für das Auseinanderbrechen des mongolischen Gesamtreiches.
Kublai eroberte in der Zeit zwischen 1267 und 1279 das gesamte Song-Reich. Immerhin 12 Jahre dauerte es bis zur völligen Unterwerfung, was nicht allein am hinhaltenden Widerstand der Song lag. Südchina war keine Steppe, auf der die mongolischen Reiterkrieger leichtes Spiel gehabt hätten. In der von Sümpfen und Flussläufen durchzogenen Landschaft taten sie sich schwerer. Kublai musste eine Flotte bauen und die Belagerungstechnik weiterentwickeln. Feuerwaffen, Giftgas, Katapulte mit Geschossen von 75 Kilogramm, Brandbomben, Splittergranaten, Tretminen, Frühformen von Kanonen aus metallverstärkten Bambusrohren, all das kam zum Einsatz. Kublai profitierte dabei stark von chinesischem Wissen, das ihm durch die erfolgte Eroberung Nordchinas ja zur Verfügung stand. Nach dem Sieg etablierte sich der Mongolen-Khan als Kaiser der Chinesen. Die Dynastie wurde als Yuan-Dynastie bekannt.
Kublai starb 1294. In seinen letzten zehn Jahren war ihm die Herrschaft zunehmend entglitten. Günstlinge hatten die Macht an sich gezogen, Intrigen beherrschten den Hof. Nachfolger wurde Uldjaitu-Timur Khan (1265 bis 1307, reg. 1294 bis 1307), ein Enkel Kublais. Timurs Vater war bereits 1285 verstorben. Vielleicht war der Verlust des Sohnes mit ein Grund für die abnehmende Kraft Kublais. Timur war Kaiser von China, wurde aber 1303 auch noch einmal als mongolischer Großkhan bestätigt. Zuvor hatte er mit Qaidu (1235/1236 bis 1301), einem Enkel Ögedeis, der neben dem Ögedei- auch den Tschagatai-Clan anführte, um die Macht kämpfen müssen, mit dem bereits Kublai in Fehde gelegen hatte.
Nach diesem Überblick über die mongolischen Großkhane wollen wir in den kommenden Folgen ein wenig auf die Teilreiche eingehen, die sich während dieser Zeit zunehmend aus dem Gesamtreich herausgelöst hatten und immer eigenständiger geworden waren. Zwar gab es bis 1388, dem endgültigen Ende der Yuan-Dynastie, immer die Dopplung, dass der chinesische Yuan-Kaiser auch Khan der Mongolen war. Dies war allerdings keine Rolle, die in die anderen Teilreiche hineinwirken konnte.
Die Teilung des mongolischen Reiches war ein Prozess, der mit der Zuordnung der einzelnen Gebiete auf die Familien der Söhne von Dschingis Khan im Jahr 1229 begonnen hatte. Hatten Möngke und auch Kublai die Rolle als Herrscher über alle mongolischen Teilreiche noch zu einem gewissen Grad ausfüllen können, gab es danach keine einende Klammer mehr. Die anhaltende Gegnerschaft der Ögedei- und Tschagatai-Familien, die sich dann in Qaidus Widerstand manifestierten, waren aber stets vorhanden und schränkten die faktische Macht der Großkhane signifikant ein.
Bildnachweise:
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Motiv: Statue von Ögedei Khan im Mongolenpalast, Gachuurt (Mongolei).
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Quelle: Wikimedia Commons.
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Bearbeitung: Unverändert übernommen.
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Abruf: 22.06.2026


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